Der politische Altenteiler Hermann Höcherl, langjähriger Innen- und Agrarminister, auch in Parteispenden recht sachkundiger Rechtsanwalt, forderte als einer der ersten "viel schärfere Kontrollen". Die FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher verlangte unter dem Eindruck des Falles Rainer Barzel ganz rasch einen "Selbstreinigungsprozeß" des Parlaments. Der SPD-Abgeordnete Karsten Voigt plädierte für "gläserne Taschen" und selbst die CDU, die bisher am meisten zu verbergen hat, will endlich mehr Offenheit. Nur die amtierende Bundestagspräsidentin Annemarie Renger fand, eigentlich könne alles beim alten bleiben. Die Präsidentin schränkte jedoch ein, nur wenn sich alle an die Vorschriften und den Ehrenkodex hielten, dann reichten die Verhaltensrichtlinien des Deutschen Bundestages auch aus.

Inzwischen freilich ist klar, daß sie nicht ausreichen. Nicht alle Bonner Abgeordneten halten sich an die Richtlinien, schlimmer aber ist beinahe noch die Nachlässigkeit, mit der die Richtlinien unter der Präsidentschaft von Bundestagspräsident Rainer Barzel gehandhabt wurden. Einige Abgeordnete gerieten sogar unter falschen Verdacht. So etwa Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck. Im amtlichen Handbuch des Deutschen Bundestages ist nur nachzulesen, welche vielfältigen Präsidenten-Funktionen der Baron bei den Bauern hat, und daß er das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens verdient hat; alle übrigen Ämter des Freiherrn – mehr als ein Dutzend – blieben ungenannt.

Heereman hatte indes nie die Absicht, dem Deutschen Bundestag etwas zu verschweigen. Schon kurz nach seiner Wahl in den 10. Bundestag teilte er dem Präsidium des Bundestages am 18. April 1983 mit, was die Ehrenordnung von ihm verlangt, nämlich sämtliche Angaben über "Beruf einschließlich der Personen, Firmen, Institutionen oder Vereinigungen", für die er tätig ist, ebenso alle Angaben über "entgeltliche Tätigkeit als Mitglied eines Vorstands, Aufsichtsrats, Verwaltungsrates oder sonstigen Organs".

Es war eine Menge, was der Bauernpräsident zu Papier gebracht hat: so sitzt er in den Verwaltungsräten der

  • Kreditanstalt für Wiederaufbau,
  • der Deutschen Bundespost,
  • der Deutschen Genossenschaftsbank Frankfurt, weiter in den Aufsichtsräten
  • der Klöckner-Humboldt-Deutz AG,
  • der Bayer AG,
  • des Hamburger Milch Kontors,
  • der Handels- und Privatbank,
  • der Nordsee Deutsche Hochseefischerei.

Vielfach sind es Posten, die Heereman seiner Funktion als Bauernpräsident verdankt. Daß es dem Landedelmann dabei kaum um die Aufsichtsratsbezüge geht, nimmt ihm jeder ab – dennoch: es hat alles im "Amtlichen Handbuch des Deutschen Bundestages" zu stehen. Als Begründung dafür, daß es da nicht stand, sagt der Direktor des Deutschen Bundestages: "Schlamperei der Verwaltung".

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