Die Fluggesellschaften brauchen Milliarden für neue Flugzeuge

Von Heinz Michaels

Die Korrespondentin der belgischen Wirtschaftszeitung L’ Echo de la Bourse faßte ihren Eindruck in einem Wortspiel zusammen: LufthansIATA. Die gewagte Wortkombination bezeichnet präzise, was die ausländischen Beobachter an der diesjährigen Generalversammlung der International Air Transport Association, der IATA, in Montreal am meisten interessierte: Nicht die Tatsache, daß es den Fluglinien wieder besser geht, daß sie die "Talsohle durchschritten" haben, wie der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller sagen würde; nicht die Frage, wie die Luftfahrtgesellschaften es künftig mit ihren Flugpreisen halten wollen; im Mittelpunkt der Diskussionen stand viel mehr, daß gleich zwei Deutsche an die Spitze der Organisation gewählt wurden.

Heinz Ruhnau, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa, wurde zum Präsidenten der IATA gewählt. Günter O. Eser, bisher im Lufthansa-Vorstand für den Verkauf zuständig, wurde zum Nachfolger des IATA-Generaldirektors bestimmt.

Umberto Nordio nahm sich Bedenkzeit, bevor er die Frage eines britischen Journalisten wegen der "deutschen Vorherrschaft" beantwortete: "Es ist Zufall, daß beide von der Lufthansa kommen. Denn das sind zwei ganz verschiedene Dinge." Weitschweifig erläuterte der Präsident der italienischen Fluggesellschaft Alitalia – sonst immer gut für ein provozierendes Bonmot – dann, daß der Präsident der IATA immer nur für ein Jahr gewählt wird, daß es Regeln gibt für die Rotation dieses Postens unter den Kontinenten und hier wiederum unter den Ländern der Kontinente. Und in diesem System sei nun in diesem Jahr zufällig der Vorstandsvorsitzende der Lufthansa an der Reihe.

Nachdem die Wahl Ruhnaus so als Routine abgetan war, fuhr Nordio fort, er sei "glücklich" über die Wahl Esers. Der künftige Generaldirektor – er tritt sein Amt am 1. Januar 1985 an – sei für den Job "sehr qualifiziert". Bedeutungsvoll fügte er allerdings hinzu: "Eser wird klug genug sein, in seinem neuen Amt nicht zugunsten der Lufthansa zu handeln."

Die Frage blieb offen, warum die IATA ihren Generaldirektor, der sie fast zwei Jahrzehnte behutsam diplomatisch durch alle Höhen und Tiefen geführt hat, zwei Jahre vor der Pensionierungsgrenze herauskomplimentiert hat. In der Laudatio für den scheidenden Knut Hammarskjöld wurde gesagt, was bei solchen Gelegenheiten üblich ist: "Er verdient den Dank eines jeden von uns."