Paris: Hoffen auf rasche Klärung

Helmut Kohl ist es gelungen, während des deutsch-französischen Gipfels vorige Woche in Bad Kreuznach das Blatt zu wenden. Seine Gesprächspartner, allen voran Präsident Mitterrand, waren "ziemlich besorgt" angereist; sie befürchteten, daß vom Bundeskanzler "in einer so delikaten Lage" nicht viel zu erwarten sei, daß die deutsche Delegation wieder einmal nicht bei der Sache sein würde.

Doch Kohls aufdringliche Gelassenheit beeindruckte. Den Franzosen, die ganz Ohr waren, priesen die Kohl-Berater unermüdlich die große Entschlossenheit, die ungebrochene Kampfeslust und das Beharrungsvermögen ihres Chefs. So wurde man in Paris wieder zuversichtlich, daß auf den umgänglichen – und in Bad Kreuznach überraschend konzessionsfreudigen – Bundeskanzler Kohl weiterhin zu zählen sein wird.

"Wir haben ihn mit der Zeit kennengelernt", heißt es mit anerkennend-ironischem Kopfnicken und zugleich spürbarer Bewunderung für Kohls Widerstandskraft. François Mitterrand möchte den "lieben Helmut" nicht missen. Und wenn der geschwächte Kanzler seine innenpolitischen Niederlagen mit außenpolitischem Leistungsnachweis kompensieren möchte, kann das den deutsch-französischen Projekten nur gut bekommen.

Allerdings hofft Paris doch, daß "die Lage in der Bundesrepublik möglichst rasch geklärt wird". Es bestehe andernfalls die Gefahr, daß die Deutschen künftig vor allem mit sich selbst beschäftigt seien. Bei der Gedenkfeier in Verdun hatten Mitterrand und Kohl kurzfristig vereinbart, sich vor Bad Kreuznach zu einem vorbereitenden Gespräch in Frankreich zu treffen. Dazu ist es "aus Termingründen" dann doch nicht gekommen. Die Annullierung, so wird versichert, stehe in keinem Zusammenhang mit der Flick-Affäre.

Für Paris bleibt Kohl vorerst ein gültiger, vollwertiger und geschätzter Partner, dessen Ansehen nicht allzu sehr gelitten hat – wobei die ebenfalls bedrängte französische Regierung freilich keinen allzu strengen Maßstab anlegen kann. An ein "après-Kohl" mag man nicht denken, zumal der voreilig als Nachfolger gehandelte Gerhard Stoltenberg in Frankreich wenig Freunde hat. Er ist in den Pariser Regierungspalästen als ein "durchwegs sehr harter" Verhandlungspartner bekannt. Der deutsche Finanzminister sorge sich einzig um seine Kasse, um die Kosten gemeinsamer deutschfranzösischer Vorhaben, wird ihm angekreidet.

Wenn schon Zukunftsmusik gespielt wird, dann wünscht man sich für die Nach-Kohl-Ära statt des kühlen Nordlichts Stoltenberg lieber den Süddeutschen Lothar Späth. Mitterrand hätte ihn beim Stuttgarter Gipfel kennen- und anscheinend schätzen gelernt. Jedenfalls wurde Späth vor Jahresfrist die für einen deutschen Landesfürsten seltene Ehre zuteil, von Mitterrand zu einer Unterredung im Elysée empfangen zu werden.