Von Dietrich Strothmann

Wie er das nur schafft? Mindestens einmal die Woche am Bildschirm, entweder aus Beirut oder aus Stuttgart. Live versteht sich. Und mindestens einmal pro Jahr ein Buch. Natürlich außerdem. Das schreibende, auf allen Kanälen stets präsente Wunderkind Gerhard Konzelmann. Schneller ist keiner, auch fleißiger nicht. Beinahe ein neuer rasender Reporter. Fast um neidisch zu werden. Und jetzt sogar ein Bestseller, schon seit Monaten auf der Spiegel- Liste, vermeintlicher Traum eines jeden ehrgeizigen, von der Muse gleich dutzendweise abgeküßten Autors. Längst hat Gerhard Konzelmann mit seiner allerjüngsten Leistung

"Jerusalem. 4000 Jahre Kampf um eine heilige Stadt"; Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1984; 496 S., 39,80 DM

sogar seinen ebenfalls bekannten Berufskollegen Peter Scholl-Latour mit dessen Glanzstück "Allah ist mit den Standhaften" weit hinter sich gelassen. Wenn das nichts ist? Das soll dem Gerhard Konzelmann erst mal einer nachmachen. Wer würde da nicht wieder gleich neidisch werden...

Dieses rastlose, arbeitssüchtige, geradezu produktionswütige Phänomen Gerhard Konzelmann. Beinahe ein journalistisches Kaninchen oder: Das Kaninchen als Autor. Das eine Jahr ein Buch, auch von beträchtlichem Umfang über den Frieden allgemein, das andere, über Israels Krieg 1973 im besonderen, auch nicht gerade schmal. Das nächste Jahr eins über großarabische Träume – immer noch Bücher wohlgemerkt das übernächste eins über Yassir Arafat speziell. Dann – es geht immer weiter – eins über den Islam, ein anderes über den Suez, wieder ein anderes über den Nil, noch ein anderes sogar über Afrika, und noch eins über Mohammed, und ein soundsovieltes über den Ölfluß. Und nun also, die Krönung allen Fleißes, aller Mühen, aller Ausdauer, der Verkaufsschlager "Jerusalem". Wie ihn das wohl erst – wie gesagt immer nur in den kargen Fernsehpausen entweder im brodelnden Beirut, wo er wieder einmal stationiert ist, oder im verwunschenen Stuttgart, seiner Mutterstation – so ordentlich in Fahrt bringen wird ...

Es ist schier unmöglich, daß ein Jahr ohne ein Buch dieses Gerhard Konzelmann vergeht, unmöglich. Das Buchjahr wäre sonst unvollständig, es gäbe es womöglich nicht einmal.

Dabei kann unser Großautor natürlich lesbar, auch durchaus spannend erzählen. Das wäre auch noch schöner. Und außerdem macht bekanntlich Übung den Meister. Konzelmann führt nicht nur eine fleißige, fixe Feder, er kann auch gefällig damit umgehen. Langweilig, einschläfernd ist der immer im Off-Ton plaudernde, parlierende Konzelmann noch nie gewesen. Das mag auch ein Stück seines munteren, nie verleugneten schwäbischen Temperamentes sein.