Ein Verkehrsgeschichtsbuch, ein Stadtgeschichtsbuch: ein Bildband zur Geschichte des Verkehrs in Berlin. Wie schnell und wie sehr sich der Anblick des Straßenverkehrs in der alten Hauptstadt verändert hat, das kann man auf den schönen Bildern des Berliner Photographen Willy Römer sehen (der 1918 die Pressebildagentur "Photothek" gegründet hatte, die bis zu ihrer Schließung durch die Nazis 1935 eine der wichtigsten Agenturen war). 1904 hatte er die erste Berliner Fahrschule für Automobilisten aufgenommen; neben jedem zukünftigen Fahrer sitzt da beim Üben auf dem Hof noch ein Mechaniker, der im – häufig vorkommenden – Notfall den abgewürgten Motor mit der Kurbel wieder anwerfen mußte, und der Fahrlehrer dirigiert die Kreisverkehrübungen mit Zylinder. Noch hatten die Pferdewagen aber nicht ausgedient; 1912 sieht man den ersten weiblichen Kutscher auf einem Milchwagen gute Figur machen, und beim Verkehrsstreik 1919 übernehmen "fliegende Fuhrwerke" die Personenbeförderung. "Das erste Überfall-Kommando-Auto" nahm 1928 seinen Dienst auf, drei Jahre zuvor war die Berliner Paketpost motorisiert worden. Das letzte Photo in diesem Band (die erklärenden Texte zu den Aufnahmen stammen noch vom Photographen selber) wurde 1931 gemacht: da kann man all die Autos in einer langen Schlange vor dem Kraftverkehrsamt warten sehen, die infolge der Wirtschaftskrise wieder abgemeldet wurden. (Willy Römer: "Vom Pferd zum Auto – Verkehr in Berlin 1903-1932"; Edition Photothek VII, Dirk Nishen Verlag, Kreuzberg, Berlin, 1984; 32 S., 28 Photographien, 8,– DM.)

Manuela Reichart