Ein neuer Mann soll die Altbiermarke Hannen wieder in Schwung bringen

Horst Wiethüchter, Vorstandschef des Hamburger Zigaretten- und Bierkonzerns Reemtsma, übte sich – ganz ungewohnt – in Selbstkritik. "Nicht ohne Probleme", so der zum Jahresende scheidende Manager bei der Erläuterung der Bilanz im Sommer dieses Jahres, "ist die Stellung von Hannen." Seit den Tagen des rasanten Wachstums Ende der sechziger Jahre habe die Marke Hannen Alt in ihrem ureigensten Kerngebiet ein diffuses Image. "Das haben wir seit Übernahme der Brauerei nicht korrigieren können", mußte der Mann einräumen, der immerhin seit Jahren für das Bierengagement des Hamburger Unternehmens zuständig ist.

Statt dessen demonstrierten die Hanseaten, die 1964 bei Hannen im niederrheinischen Willich eingestiegen waren, wie man eine einst unangefochtene Marktführerschaft aufs Spiel setzt: 1982 mußte der Altbierspezialist das Konkurrenzunternehmen Diebels an sich vorbeiziehen lassen – und seither wurde der Abstand noch größer.

So griff Reemtsma denn in diesem Frühjahr wieder einmal zu einem Rezept, das auch schon in den Jahren zuvor bei Hannen die Wende hatte bringen sollen: Mit Heiner Jordan holten sich die Hannen-Eigner einen neuen Manager in die problembeladene Tochtergesellschaft. Diesmal allerdings griffen die Reemtsma-Strategen auf einen eigenen Mann zurück. Jordan stammt aus dem Zigaretten-Marketing des Hamburger Stammhauses und war zuletzt vier Jahre lang Vorstandsmitglied der Karlsruher Reemtsma-Brauerei Moninger, die aus tiefroten Zahlen geführt werden mußte. Diese Aufgabe, so sieht Jordan seinen Abgang in Karlsruhe, "war abgeschlossen".

Leichter wird die neue Aufgabe auch nicht, und "von heute auf morgen", so Reemtsma-Chef Wiethüchter, "wird es nicht gehen, die Brauerei wieder auf einen erfolgreichen Weg zu bringen".

Wohl wahr, denn die Fehler, die in der Vergangenheit gemacht wurden, wiegen schwer. So war es dem Marktführer bei obergärigem Bier zwar in den sechziger Jahren gelungen, Altbier als Spezialität bundesweit populär zu machen (Slogan: "Das andere Bier"), doch ein stetig steigender Bierausstoß hatte verdeckt, daß im wichtigen Stammland Niederrhein, im Umkreis von Düsseldorf, der Absatz ebenso stetig zurückging. "Der Wettbewerb", so urteilt Jordan heute, "wurde nicht beobachtet." Im Windschatten des Marktführers begannen die Konkurrenten Diebels und Schlösser, Gatzweiler und Frankenheim eigene Profile aufzubauen. Diebels, 1975 mit einem Ausstoß von 500 000 Hektoliter Alt gerade halb so groß wie Hannen, setzte sich schließlich 1982 an die Spitze der Alt-Brauereien.

Die Privatbrauerei Diebels im niederrheinischen Issum hatte den Marketingspezialisten von der Konzernbrauerei wie nach dem Lehrbuch vorgemacht, wie man im hart umkämpften, seit Mitte der siebziger Jahre überdies stagnierenden Biermarkt, eine Marke macht und diese mit Erfolg verkauft. Anders als die Reemtsma-Brauerei, die in nahezu regelmäßigem Abstand von zwei Jahren die Marketingleute an der Spitze von Hannen auswechselte, wurde Diebels von der Familie und seit 1980 von einem Manager, Hans-Joachim Weiss, geführt, der seit Mitte der sechziger Jahre dem Unternehmen angehört.