Einigermaßen verblüffend ist die Frage Winklers, warum die Sozialdemokraten nicht aus der europäischen Revolutionsgeschichte gelernt hätten, "daß nämlich eine parlamentarische Demokratie gesellschaftliche Bedingungen voraussetzte, die niemals nur (sic!) mit parlamentarischen Mitteln hergestellt worden sind". Da er uns nirgends im Zweifel läßt, daß weder die sanfte Revolution der Menschenfreunde Eisner und Landauer nach seinem Geschmack ist noch der Putschismus der moskauhörigen Kommunisten oder der streikenden Ruhrarbeiter, kann er doch schlechterdings nicht der Gewalt das Wort habe reden wollen, zumal er weiß, daß die Mehrheitssozialdemokraten – einem Wort des Vorwärts-Chefredakteurs Friedrich Stampfer zufolge – für die Revolution nicht einmal das Leben einer Straßenlaterne geopfert hätten. Aber solche Aporien unterlaufen einem Intellektuellen schon einmal, wenn er Wunsch und Wirklichkeit partout zur Deckung bringen will.

Eines freilich macht Winkler von Anfang an unmißverständlich klar: Die SPD allein hätte die Weimarer Demokratie niemals retten können. Dazu war sie zu schwach, dazu hätte sie "eines anderen, demokratischeren Bürgertums" als Partner bedurft. Den Beweis wird Winkler für die Jahre nach 1924 noch besser führen können als für die davor. Man möchte bald weiterlesen...