Wissenschaft und Praxis streiten miteinander darüber, was Subventionen sind. Im Detail wenig weiter hilft die Standarddefinition: "Eine Subvention ist eine staatliche Hilfe für den privaten Sektor oder Verbraucher spezieller Güter, Dienstleistungen oder Proauktionsfaktoren. Die Regierung erhält keine entsprechende Gegenleistung, aber bindet die Hilfe an bestimmte Bedingungen für die Empfänger. . Der ungeklärte Zwist bietet jedem einen billigen Vorwand, unbequeme Subventionsziffern als Resultat fragwürdiger Abgrenzungen vom Tisch zu wischen. So machen es Politiker immer wieder, wenn sie mit den horrenden, von Wissenschaftlern ermittelten Zahlen konfrontiert werden. Nur, der Trend ist eindeutig. Alle wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute kommen zu Ergebnissen, die über denen im Subventionsbericht der Bundesregierung liegen. Nicht erfaßt werden von der Bundesregierung zum Beispiel alle Finanzhilfen und Steuervergünstigungen für Stellen innerhalb der Bundesverwaltung. So werden Hilfen für Bundesbahn und Bundespost nicht berücksichtigt. Aber auch Zahlungen staatlicher Institutionen wie der Kreditanstalt für Wiederaufbau fehlen in den Bundeszahlen, auch wenn sie den Regierungskriterien genügen und "Finanzhilfen (sind).. ., um Produktionen oder Leistungen in Betrieben oder Wirtschaftszweigen zu erhalten oder den Produktivitätsfortschritt und das Wachstum von Betrieben oder Wirtschaftszweigen zu fördern, in wichtigen Bereichen des volkswirtschaftlichen Marktprozesses für private Haushalte bestimmte Güter und Leistungen zu verbilligen und die Spartätigkeit anzuregen".

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft, das von allen Forschungsinstituten die höchsten Subventionszahlen ermittelt hat, schließt sich weitgehend dieser umständlichen Definition der Bundesregierung an. Nur, die Resultate sind erschreckender. Noch schlimmer würden die Ergebnisse, wenn eine in den Vereinigten Staaten entwickelte Definition gälte. Subventionen wären demzufolge jede wirtschaftliche Hilfe der Regierung für private Unternehmen oder Verbraucher von Gütern und Dienstleistungen auf Kosten anderer. Nahezu jeder staatliche Eingriff in das Wirtschaftsleben würde dann an irgendeiner Stelle Subventionen auslösen.