Das Urlaubsglück in Spanien wird im nächsten Sommer teurer, weil die Hoteliers mehr Geld verlangen. Die Pauschalreiseveranstalter wollen aber einen Teil der Preiserhöhungen auffangen.

Wenn es nach dem Willen der Hoteliers geht, dann müssen deutsche Urlauber in Spanien in der nächsten Sommersaison rund sechs Prozent höhere Pauschalpreise hinnehmen. Auf eine derartige Steigerung laufen Forderungen hinaus, die sich im Hotelbereich auf etwa 18 Prozent belaufen. Da sich aber die Charterflugpreise und Kosten der Veranstalter, die zusammen rund zwei Drittel des Katalogpreises ausmachen, nicht erhöhen, bleiben am Ende "nur" die erwähnten sechs Prozent als Spanien-Preiserhöhung für den Verbraucher übrig.

Offen ist allerdings, ob alle deutschen Reiseunternehmen die Erhöhung der Hotelpreise auch wirklich an ihre Gäste weitergeben oder aus Wettbewerbsgründen darauf vielleicht verzichten. So signalisierte beispielsweise Europas größtes Reiseunternehmen, die Touristik Union International, Ende Oktober beim Deutschen Reisebüro-Verbandstreffen auf Mallorca eine "moderate Spanien-Preispolitik" und deutete an, unter den sechs Prozent zu bleiben. Man wolle damit, so hieß es bei der TUI, "Marktanteile in Spanien ausbauen". Immerhin fliegen pro Jahr über 600 000 deutsche Gäste mit dem Hannoveraner Großveranstalter nach Spanien, von jährlich rund drei Millionen deutschen Spanienreisenden etwa 20 Prozent. Zumindest für diese Urlauber wird Spanien (bei den Deutschen als Urlaubsland an dritter Stelle in der Beliebtheitsskala) preislich einigermaßen erträglich bleiben.

Der zweitgrößte deutsche Veranstalter, die Frankfurter NUR Touristic, hat dagegen angekündigt, 1985 seine Spanienangebote um rund 100 Mark pro Durchschnittsreise verteuern zu wollen. Bei NUR ist man, so war aus dem Karstadt Kaufhaus (diesem gehört NUR) zu vernehmen, offensichtlich sogar zur Aufgabe von Buchungszahlen bereit, um den Gewinn nicht zu gefährden. Allerdings, so meinte NUR-Geschäftsführer Rolf Pagnia auf Mallorca, hätten durch die spanischen Preisanhebungen verärgerte Reisende kaum die Wahl, auf andere Zielländer auszuweichen: "Wenn Griechenland, Portugal oder Jugoslawien voll sind, bleibt trotz Preisanhebung letzten Endes doch nur Spanien übrig", erklärte Pagnia.

Andere Urlaubsländer werden nach Ankündigung ihrer Repräsentanten 1985 der spanischen Preispolitik nicht derart massiv folgen. Griechische Hoteliers verlangen rund zwei Prozent höhere Zimmerpreise, jugoslawische etwa drei Prozent Zuschlag. Auf die Flugpauschalpreise wird sich das nur unwesentlich auswirken.

Schon in der Vergangenheit hatten spanische Hoteliers einmal so happig ihre Preise angehoben. Beim Verbraucher kamen die Steigerungen aber oft nicht an, weil Kursverluste der Peseta im Verhältnis zur Deutschen Mark für Ausgleich sorgten. 1985 wird das wohl kaum der Fall sein, weil die spanische Währung nach Meinung von Reisefachleuten "weiterhin stark" bleiben wird und korrigierende Kursgewinne kaum zulassen dürfte.

Vorwürfe an die Adresse der spanischen Hoteliers, sie wollten sich "an der Urlaubskasse der Deutschen ohne Grund bereichern", weisen diese allerdings als ungerechtfertigt zurück: "Bei uns müssen 12 bis 15 Prozent Inflationsrate, verteuerte Importe und erhebliche Lohnzulagen aufgefangen werden", erklärten Vertreter der iberischen Hotelverbände. "Wenn wir weniger als 15 Prozent Preissteigerung verlangen, legen wir. bares Geld zu."

Hans-Georg Ungefug