Varley verleiht ihrem Dachs – ganz in der Vorstellungswelt des Grahameschen Naturmärchens, das längst ein Klassiker geworden ist – die Züge des besonnenen, erfahrenen Alten. In liebenswert zart kolorierten Federstrichen zeichnet sie Dachs: gutmütig und bedächtig, einen selbstbewußten Einzelgänger mit großem Herz für Freunde, biedermännisch und gleichzeitig von altmodischer Eleganz. Der türkisfarbene Schal flattert im Herbstwind gegen einen – stürmischen Himmel. Dachs ist müde vom Leben und fürchtet sich nicht vorm Sterben. Varley beschreibt die letzte Nacht des Alten, beschreibt den letzten Traum und den Morgen, an dem Dachsens Freunde sich vorm Bau versammeln und vom Fuchs erfahren, daß Dachs tot ist. Fuchs liest den Brief vor, in dem es lapidar heißt: "Bin durch den langen Tunnel gegangen. Lebt wohl, Dachs."

Besonders Maulwurf ist verlassen und unglücklich. Er weint die Decke klatschnaß, und unter der Schneeschicht, die jetzt fällt, kann Maulwurf nicht die Traurigkeit begraben, die ihn und alle alten Freunde so heftig befällt.

Als der Frühling kommt, erinnern sich alle, was Dachs sie gelehrt hatte: den Frosch das Eislaufen, das Füchslein, wie man Knoten schlingt, und Frau Kaninchen hatte der Dachs Kochstunaen gegeben.

Trauer wird von schönen Erinnerungen übermalt. Was Dachs sie gelehrt hat, hüten die Freunde wie ein kostbares Abschiedsgeschenk. Ein so sublimes, von Tränenseligkeit leicht zu verkitschendes Thema wie den Tod, beschreibt die Engländerin heiter und schwermütig zugleich. Ganz und gar unpathetisch. Vor allem Liebe-voll Ein wunderschönes Bilderbuch, das kindliche Denk- und Wunschbilder sehr genau begreift: Schrecken und Glück dicht nebeneinander.

Susan Varley: "Leb wohl, lieber Dachs"; Annette Betz Verlag, Wien, München, Heidelberg; 32 S., 19,80 DM.

So glücklich wie ich gibt es keinen Menschen unter der Sonne." Das absurde Happy-End des liebenswerten Tolpatschs Hans im Glück hat mich als Kind nie wirklich mitreißen können, Die Botschaft, daß Glück und Gold nicht zusammenpassen (und darum am besten weg damit!), scheint mir auch heute noch allzu philosophisch, als daß jedermann diesem tugendhaften Gedanken ohne größere Anstrengung folgen könnte.

Obgleich der Kern seiner Fabel dem Grimmschen Märchen verwandt ist, führt Helme Heine die Parabel viel raffinierter vor und überzeugt vor allem mit bezaubernden Illustrationen – Helme Heine: "Die Perle"; Middelhauve Verlag, Köln; 26 S., 19,80 DM.