Umwege

Wie übersteht die britische Wirtschaft den Streik der Bergleute? Die einfachste Antwort ist der Hinweis auf Englands Nordsee-Öl; die weniger offensichtliche Antwort: In den acht Monaten seit Ausbruch des Streiks hat Großbritannien Kohle aus Amerika, Südafrika und Polen eingeführt, obwohl sich die Hafenarbeiter aus Solidarität mit Arthur Scargills Kumpeln weigern, die großen Kohletransporter zu löschen. Darum macht die für England bestimmte Kohle den Umweg über westeuropäische Häfen, wo sie auf kleine Schiffe umgeladen wird, die dann an relativ entlegenen Ankerplätzen vor der britischen Küste entladen werden – von Arbeitern, die mit der Gewerkschaft nichts im Sinn haben. Die internationale Solidarität der Gewerkschafter wird unterlaufen, berichtet Newsweek: Polnische Hafenarbeiter, die für Englands Kraftwerke die Kohle verladen, werden in dem Glauben gehalten, Italien sei die Endstation der schwarzen Fracht.

Keine Spinnerei

Die wichtigste Neuigkeit, die uns die diesjährige amerikanische Präsidentenwahl beschert hat, ist der Spinner. Was keine Beleidigung ist, sondern ein neuer Beruf, eine Art professioneller "gewöhnlich gut informierter Kreis". Spinners -"Dreher" – traten nach jenen Fernsehdebatten auf, bei denen die beiden Präsidentschaftskandidaten vor den Augen des Volkes um Sympathie und Anerkennung rangen. Die Arbeit der spinnen beruht nun auf der Annahme, daß erstens der erste Eindruck der entscheidende ist und daß zweitens die meisten Menschen gar nicht wissen, was ihr erster Eindruck war, wenn man es ihnen nicht sagt. Genau das tut der Spinner: Kaum sind die Fernsehkameras abgeschaltet, stürzt er in den Pressesaal, setzt eine wichtige Miene auf und verkündet laut und deutlich, daß Mondale der Sieger des Abends ist. Oder Reagan. Jedenfalls natürlich der, zu dessen Wahlkampfmannschaft der Spinner gehört. Vielleicht läßt sich das Prinzip ins Privatleben übertragen? Demnächst nehmen wir uns zu wichtigen Verabredungen einen Lakaien mit, der allen erzählt, wie nett wir sind.

Revolution

Ein Jahr nach der amerikanischen Invasion erlebt Grenada den Beginn einer Revolution. Im Namen der amerikanischen Entwicklungshilfe-Behörde hielt Peter McPherson die Festrede zur Eröffnung des neuen Flughafens Point Salines im Süden der Insel: "Dieser Flughafen wird Grenadas Wirtschaft revolutionieren." 19 Millionen Dollar hat Washington zur Fertigstellung des Flughafens spendiert, dessen Bau 1980 mit kubanischer und sowjetischer Hilfe begonnen wurde. Was nach den finsteren Plänen der kommunistischen Mächte ein Militärflughafen werden sollte, wird nun dem Tourismus und dem Export von Fischen und Südfrüchten dienen, betonte McPherson und wies auf Änderungen der ursprünglichen Konzeption hin. Der Flughafen ist zwar noch nicht fertiggestellt, aber schöner als mit seiner Einweihung ließ sich der Jahrestag der Invasion wohl nicht feiern. (Amerikas Freunde auf Grenada hatten die Besatzer gebeten, die Zeremonie wenigstens nicht genau auf den 25. Oktober zu legen, darum wurde der Festakt um ein paar Tage verschoben.) Die "Revolution" ist zweifellos nötig: Die Arbeitslosigkeit auf der Insel ist sehr hoch, und bislang haben sich die Hoffnungen der Grenader auf einen kapitalistischen Boom nicht erfüllt.