Mit Carl-Albrecht von Treuenfels über Wiesen und durch Wälder zu wandern, ist eine ernüchternde Angelegenheit. Die Unterhaltung stockt allenthalben, weil unser Freund (er ist den Lesern der ZEIT und denen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wohlbekannt) plötzlich in den Himmel zeigt, wenn er dort ein Habichtweibchen entdeckt hat. Drei Schritte später ist es ein Schmetterling, den er auf einer Butterblume ausgemacht hat, dann wieder unterbricht ein Bussard, weit, weit in der Ferne das Gespräch. Der Begleiter sieht von alledem nur einen Bruchteil und ist glücklich, wenigstens eine Eiche als Eiche zu erkennen.

Carl-Albrecht von Treuenfels, der in der Garde des Preußenkönigs einen stattlichen Flügelmann abgegeben hätte, ist auf dem Land aufgewachsen, hat Jura studiert, jahrelang erfolgreich in der Werbebranche agiert, ist heute Sozius einer Frankfurter Anwaltskanzlei und kommt doch immer wieder auf die heimatliche Scholle zurück. Im Schleswig-Holsteinischen hat er ein paar Hektar Wald und Acker und achtet darauf, daß hier alles im Einklang mit der Natur vor sich geht. Die Bauern in seiner Nachbarschaft achten ihn und sind wohl auch ein wenig stolz, daß einer aus ihrer Ecke ein gewichtiges Wort in Sachen Naturschutz mitspricht.

Denn mittlerweile nimmt seine Anwaltstätigkeit für Natur und Tiere den größten Teil seiner Arbeitszeit in Anspruch. Er plädiert in Büchern und in Artikeln und legt seine Beweise in Form von ausgezeichneten Tierphotos vor, die er selbst aufgenommen hat. Sein neuestes Buch heißt "Abenteuer Naturschutz in Deutschland" (Hoffmann und Campe, Hamburg, 238 Seiten, 29,80 Mark). Den relativ niedrigen Preis für das aufwendige Buch, das viele schöne Photos enthält, verdanken wir der Lufthansa, die einen Zuschuß zum Druck beigesteuert hat; der Kranich, der Wappenvogel der Luftlinie, machte dies möglich.

In 26 Kapiteln, von denen einige gekürzt in dieser Zeitung vorabgedruckt wurden, schildert Treuenfels den Einsatz der mittlerweile fast nicht mehr zu zählenden Gruppen von Menschen, die sich um die Natur und ihre Tiere kümmern. Da gibt es Gruppen, die sich um die Rückkehr der Biber bemühen, um den Seeadler, die Eulen oder den Fischotter. "Der tägliche Kampf für die Natur ist auch durch faszinierende Beobachtungen gekennzeichnet. Ohne Übertreibung: In unserer zivilisierten Welt ist die praktische Arbeit für den Schutz der freilebenden Tiere und Pflanzen eines der wenigen noch ursprünglichen Abenteuer, das bei aller Begeisterung jedoch mit Sinn und Verstand angepackt werden muß", schreibt Treuenfels.

Er ist kein ideologischer Grüner. Für ihn, den Menschen vom Land, ist Naturschutz die selbstverständlichste Sache der Welt. Vielleicht ist gerade deshalb sein Buch so überzeugend und gleichzeitig so anregend. Man hat nach seiner Lektüre Lust, sich irgendwo ein Stück Land zu kaufen (wie er es empfiehlt), um es der Natur zurückzugeben. v. K.