Leben und Schreiben in fremdem Land: Zwei Schriftsteller, einer aus Polen, der andere aus der DDR, treffen sich in ihrer neuen Heimat West-Berlin und sprechen über Asyl und Literatur, Schikanen und über die Schwierigkeit, im Westen zu arbeiten.

Ein Gespräch zwischen Wlodzimierz Nechamkis, dem Mitherausgeber der polnischen Exilzeitschrift "Archipelag" und dem Schriftsteller Jürgen Fuchs, der 1977 die DDR verlassen mußte; beide leben in West-Berlin.

Fuchs: Ich frage Dich, wie Du die Lage der Polen in Westberlin beurteilst. Vor allem derjenigen, die zufällig im Ausland waren und dort blieben, als Jaruzelski auf höheren Befehl putschte. Die erst einmal abwarten wollten, was geschieht. Später sind ja welche gekommen, die als aktive "Solidarnosc"-Mitglieder in Lagern saßen und dann unter Druck ausreisten. Man hat sie hier willkommen geheißen. Jetzt hört man von Räumungen, Familien stehen auf der Straße. Was ist los?

Nechamkis: Die Lage ist zur Zeit wirklich nicht erfreulich. Diese Menschen müssen sich jetzt innerhalb von drei Monaten entscheiden, ob sie hier in Berlin bleiben oder zurück nach Polen gehen. Solch eine Entscheidung ist schwer. Drei Jahre sind vergangen seit Verhängung des Kriegsrechts. Die Lage in Polen hat sich nicht verbessert, im Gegenteil...

Fuchs: Hat der alte Apparat gesiegt? Findet jetzt eine Art "Normalisierung" statt wie in der Tschechoslowakei? Der Schriftstellerverband wurde verboten. Den Zensur läuft auch Hochtouren. Viele sind im Exil oder werden gehen müssen. Die freie Gewerkschaft verboten. Die Betonköpfe haben ihren Auftritt.

Nechamkis: Es sieht so aus.

Fuchs: Jetzt wird es "normal". Das Unrecht ist geschehen. Es gibt eine neue Realität, auf die muß man sich einstellen. Erst Proteste, dann besucht man sich wieder. "Es muß weitergehen", sagen die Diplomaten. In diesem Zusammenhang muß auch das Emigrantenproblem "gelöst" werden. Was bedeutet das, wie geht man vor?