Von Elfriede Jelinek

Dieser Eilige Vater, der fährt wirklich überall herum! Steigt aus seinem Vatikanflugzeug, kommt die Stiege herunter, ist im Fernsehen zu betrachten und küßt dann die Erde. Ein alter Mann stützt ihn beim Aufstehen, sonst kommt der Hl. Vater von dieser schweigsamen, schlecht gedüngten Mutter Erde, nicht mehr hoch. Die Erde ist eine Mama, die nichts spricht und sich gegen nichts wehren kann, auch nicht gegen Gift oder Raketen. Und sie wird unter den Einschlägen der Bomben nur schwächlich zucken. Es sollen alle sofort stillschweigen, auf die Knie gehen, Lieder singen (aber keine Sandinistenhymnen), alle Leute guten Willens und schlechter Absichten, zu denen der Papst ganz besonders gern kommt. Er ist der alleinige Chef im Vatikan.

Den Frauen gestattet er nur ihre Körper und sonst nichts, vielleicht noch Chorgesang. Keine Fristenlösung, denn all die kleinen Probleme der Frauen wird der Vorgesetzte des Herrn Papst, ein Herr Gott, innerhalb kürzester Frist schon selber lösen. Zum Beispiel mit der Stricknadel oder der heißen Lauge. Auch mit Petersilwurzeln. Wo der Papst hintritt: Jubel. Dieser Mann wünscht auch die anderen Sachen nicht, die sich die Frauen in die Unterleiber hineinstopfen oder die Männer drüberziehen. Diese Dinge sind nicht von Gott erzeugt oder auch nur gewünscht worden. Kein Gott hätte eine Pille erfunden, die den Ärzten Verdienstmöglichkeiten nimmt.

Der Papst ist der Gottessekretär, er erklärt, was Gott durch ihn zu erreichen wünscht: Die Frauen können am Leben bleiben, aber sie müssen das Leben an möglichst viele verteilen, um Gott dem Schöpfer Arbeit abzunehmen. Sie können dabei ruhig sterben oder ihren Kindern beim Sterben zusehen. Gott liebt die Kleinsten besonders, vor allem, wenn sie recht früh zu ihm transportiert werden und wenig Zeit zum Sündigen hatten.

Der Hl. Vater besitzt moderne Geräte zum Fliegen, zum Fahren, zum lauten Sprechen, die ganze Natur wird ja von ihm regiert, denn auch die Natur ist von seinem Vorgesetzten Gott gemacht worden. Jetzt sagt dieser Gott direkt unterstellte Mann, die Frauen sollen auch während ihrer sogenannten fruchtbaren Tage alles zu ihrer Vervielfältigung Nötige unternehmen. Dieses Können haben ihnen Gott und die Mutter Natur in fataler Ehe günstig zukommen lassen. Im Ausverkauf der Fähigkeiten, spricht der Papst, haben die Frauen wenigstens dies (das ist doch viel!) erlangt. Der Papst kümmert sich sogar um wenige Monatstage. Es können bedeutende Leute aus diesen Tagen hervorgehen, aber auch die Mehrheit der Beterinnen und Beter, büßend für die Sünden der Welt. Zahlen Kirchensteuer. Lassen viel mit sich geschehen, denn ihr besseres Leben wird zwar später beginnen, dafür aber ewig dauern.

Selbst natürliche Empfängnisverhütung kann noch Quelle des Mißbrauchs werden, würdigt der Papst die weibl. Schafe einer direkten Anrede. Dafür müssen sie den Wunsch aufgeben, am Altar Gottes zu dienen, nicht als Dienstbotinnen, nicht als Weihräucherinnen, nicht als Kelchhalterinnen, sie dürfen es nicht. Sie scheinen nämlich unrein zu sein. Und am Altar stehen bereits der Papst und seinesgleichen, alles langjährige, hochgradige Männer. Die machen nicht Platz. Es; ist der Raum um den Altar für die Frauen komplett abgesperrt.

Der Papst kennt nur eine Frau, seine Idealfrau, ihre Maße sind Null, Null, Null, denn sie besitzt keinen Körper. Sie ist Geist. Alle übrigen Frauen sind Körper und sonst nichts, und sie müssen sich diese Eine zum unerreichbaren Vorbild nehmen. Sie sind alle unwürdig, können nur strampeln, diese eine aber ist würdig. Hat keine Arbeit gehabt mit der Geburt vom Herrn Sohn, hat aber die Frucht ihres Leibes bald wieder hergeben müssen.