Von Hans-Otto Eglau

Flick und Horten – zwei Namen beherrschen in diesen Tagen die von der Parteispenden-Affäre bestimmte innenpolitische Szene. Mit welchen Handreichungen Flick im Kraftfeld der Parteien agierte und den Gang der Dinge zu seinen Gunsten zu beeinflussen suchte, hat sich der Nation wie in einem schlechten Krimi auf deprimierende Weise enthüllt. Wo und wie jedoch griff der Mann, der Walter Scheel Ende letzten Jahres sechs Millionen für die an finanzieller Auszehrung leidende FDP mit auf den Weg gab, ins Räderwerk der Politik ein?

Vordergründig offenbart ein Blick auf die Geschichte beider Unternehmen verblüffende Parallelen. Sowohl Flick als auch Horten gerieten durch spektakuläre Steuerstreitfälle ins Blickfeld der Öffentlichkeit: Horten beim Transfer der aus dem Verkauf seiner Warenhäuser erzielten rund 1,2 Milliarden Mark in die Schweiz, Flick bei der Wiederanlage der für sein Daimler-Benz-Paket kassierten zwei Milliarden nach den Bestimmungen des Einkommensteuer-Paragraphen 6b.

In der Frühzeit ihrer Karriere profitierten beide von der unseligen Arisierungspolitik der Nazis: Horten durch die Übernahme des jüdischen Duisburger Kaufhauses Gebrüder Alsberg im Jahre 1936, mit dem der damals 27jährige Sproß einer Bonner Juristenfamilie seine steile Karriere begründete, Flick durch den Zugriff auf die Braunkohlengruben der in die USA emigrierten Familie Petschek.

So wie der alte Friedrich Flick, der wie ein Schachspieler mit Hilfe klug vorausberechneter Züge seinen industriellen Besitz zielstrebig mehrte, war auch Helmut Horten ein ausgeprägter Instinkt für ideenreich ausgetüftelte Okkasionen eigen. Sein Meisterstück war 1954 der Erwerb der 19 Defaka-Kaufhäuser aus dem Besitz der in New York lebenden jüdischen Familie Michael. Zwar mußte Horten für die Kette nach einem zähen Verhandlungspoker 84 Millionen Mark auf den Tisch legen; doch in den Büchern der über ein umfangreiches Teilzahlungsgeschäft verfügenden Firma standen, was Horten sofort erkannt hatte, Kreditforderungen an Kunden von fünfzig Millionen Mark, die nahezu bares Geld wert waren. Mit Hilfe seines Gönners Hermann Josef Abs verkaufte er die Kreditabteilung seiner Defaka-Häuser kurzerhand an die Deutsche Bank, so daß sich der Erwerb der an besten City-Standorten gelegenen Einkaufspaläste, wie der clevere Händler später einräumte, "zum größten Teil aus sich selbst heraus finanzierte".

Die Verbindung zu Jakob Michael hatte kein geringerer als Friedrich Flick vermittelt, an den der nach einem Käufer suchende Emigrant zunächst herangetreten war. Der Düsseldorfer Großindustrielle hatte auf den jungen Warenhausunternehmer schon seit längerem ein wohlgefälliges Auge geworfen und ihn gern als Top-Manager in seinen eigenen Konzern geholt.

Doch damit, erschöpfen sich die Gemeinsamkeiten der zu den prägenden Figuren der deutschen Wirtschaftswunder-Landschaft zählenden Milliardäre. Was Helmut Horten von Friedrich Flick vor allem unterschied, war die fehlende Perspektive als Familienunternehmer. Ohne eigene Nachkommen dachte der in zweiter Ehe mit der 31 Jahre jüngeren Wienerin Heidi Jellinek verheiratete Warenhauskönig (Hortens erste Frau schied durch Selbstmord aus dem Leben) schon früh daran, sein Vermögen in eine Stiftung einzubringen. Bereits 1962 gründete er die "Helmut Horten Stiftung" in Düsseldorf. Vor allem zur Förderung medizinischer Einrichtung bestimmt, sollte sie nach dem Willen ihres Stifters eines Tages das gesamte Horten-Vermögen verwalten.