Von Reiner Luyken

Der Mond wirft nur noch gelegentlich ein fahles Licht zwischen den vorübertreibenden Wolkenbergen hindurch. Dann blitzen hier und da weiße Schaumkronen in der blaugrauen Nacht auf, und auf einmal merkt man, daß ja alles in Bewegung ist: der Himmel, die Luft, das Meer ... "Verfluchter Seegang hier draußen", murrt Gordon. "Fühl’ mich zum Kotzen."

Gordon steht auf, geht zum Kartentisch und knipst das Licht an. Die Nacht verschwindet hinter spiegelnd schwarzen Scheiben. Muß mich beschäftigen, dann wird’s gleich wieder besser, denkt er. Verdammte Ruderwachen. Wird’s mir doch jedesmal mulmig bei der Scheißdünung. Oh, Gott, hoffentlich fangen wir bald zu fischen an, sonst muß ich tatsächlich noch reihern. Wär’ schade um das gute Abendessen, eh? Schiet-Pupillen. Rennen wie besoffen auf der Karte nun ...

"Neunundvierzig zwo Nord, vierachtvier West", ruft Rob die Daten des Funknavigators aus.

"Fünfzehn Meilen südlich von der Sulasgeir-Bank", antwortet Gordon. "Ich geh und weck ’n Alec."

"Mach’s Licht aus. Kannst ihm sagen, die großen Burschen sind immer noch dran, die Holländer und die Deutschen. Ich seh’ ihre Lichter. Wie hieß sie? ,Stuttgart’? Die neulich direkt neben uns vorbeigepfiffen ist?"

"Ja", sagt Gordon. Bald gibt’s was zu tun! Er atmet tief durch. Ja, es geht schon wieder besser. "Ich hol’ jetzt den Alec."