repressalien staatlicher organe gegen den ostberliner Schriftsteller detlef Opitz, Jahrgang 1956, führen zur existenzbedrohung.

Protokoll über die ereignisse vom und nach dem 11. 9. 84:

versehen mit den gültigen reiseunterlagen und flugticket nach budapest erreichte der ostberliner Schriftsteller detlef Opitz am 11. 9. 84 mehr als eine stunde vor dem abflugtermin den flughafen, um sich notwendigen kontrollen zu unterziehen, die maschine sollte um 9 uhr starten, opitz wollte in budapest urlaub machen und sich mit ungarischen kollegen treffen, nach ausführlicher Zollkontrolle erhielt er unmittelbar vor den transiträumen von einem offizier der grenzpolizei folgende wörtliche erklärung: "gegen sie liegt der verdacht einer strafbaren handlung vor. deswegen werden sie bereits seit wochen polizeilich gesucht, melden sie sich umgehend in dem für sie zuständigen polizeiamt." (opitz hatte wenige minuten später gelegenheit, die sätze zu notieren, verbürgt sich daher für die authentizität der formulierungen.) er wurde nicht, wie bei dem plötzlichen status zu erwarten gewesen wäre, sofort in Verwahrung genommen, sondern von dem betreffenden offizier zum ausgang des flughafens begleitet, weitere auskünfte zu geben, war der beamte nicht bereit.

um 10.30 uhr fand sich opitz in der vp-inspektion Schönhauser allee ein. er erklärte und wiederholte den diensthabenden polizisten an der pforte seine bereitschaft, sich den ermittlungen zu stellen. dieser entschluß löste sichtliche konfusion unter den beamten aus, die offenbar ratlos darüber waren, wie mit dem selbststeller zu verfahren sei. von verschiedenen zivilpolizisten wurde er mehrfach über die angelegenheit befragt, man gab ihm auch zu verstehen, gar nicht recht zu wissen, was man mit ihm anstellen solle, gegen 13.45 uhr wurde opitz ein formloser Zettel mit folgendem text ausgehändigt:

"Auflage:

Umgehend (noch am 11. 09. 1984) beim Rat des Stadtbez. Prbg. 1055 – Fröbelstraße, Abt. Wohnraumlenkung und Ber. Urheberrechte melden"

der leiter der abt. Wohnraumlenkung – herr Seifert – ließ opitz zunächst einen termin in 8 tagen mitteilen; nachdem dieser sich jedoch weigerte, das Vorzimmer zu verlassen, empfing er ihn kurz, opitz stellte herrn Seifert folgende fragen: ob Seifert verantwortlich dafür sei, daß opitz am morgen eine reise nicht hatte antreten dürfen; ob seitens der wohnraumbehörde etwas gegen opitz vorliege, das gesetzliche sofortmaßnahmen erforderlich mache; ob opitz von ihm erwartet worden sei, oder ob ihm opitz für heute von irgendwoher angekündigt worden sei; ob Seifert im moment den wunsch habe, ein gespräch mit opitz zu führen. der leiter der wohnraumbehörde verneinte alle diese fragen, seine Sekretärin war dabei anwesend.