Von Dieter Buhl

Wie jeder Sieg hat auch Ronald Reagans überwältigender Erfolg viele Väter. Einer von ihnen, und wahrscheinlich derjenige, der das Recht auf Vaterschaft, am überzeugendsten beanspruchen kann, ist James Baker. Als Leiter des Präsidentschaftswahlkampfes hat vor allem, er die Strategie entwickelt und die Taktik bestimmt, die zum politischen Erdrutsch führten. Das Wahlergebnis hat Baker recht gegeben. Jetzt liegt es auch bei ihm, ob das eindeutige Votum mit Augenmaß genutzt wird.

An Einfluß auf die Erfüllung des Wählerauftrags wird es James Addison Baker III. nicht fehlen. Als Stabschef des Weißen Hauses sitzt er im Zentrum der Macht. Selbst wenn manche Republikaner ihm heute vorwerfen, über der Sorge um Reagans Wiederwahl die Kandidaten ihrer Partei für den Kongreß vernachlässigt zu haben, so braucht er sich um seine Position keine Gedanken zu machen. Der Präsident weiß jetzt noch besser, was er am Manager seines Hauses hat. Bakers Rolle als Mittler und Mahner auf dem Parnaß amerikanischer Politik kann diese präsidiale Dankbarkeit nur zugute kommen.

Bisher fiel es jedoch schwer, Bakers politisches Gewicht in der Regierungszentrale genau zu ermitteln. Der diskrete Anwalt aus Texas vermied es mit Methode, sich in den Vordergrund zu schieben. Das einzige Eigenlob, das aktenkundig ist, bezieht sich denn auch allein auf die formalen Pflichten des Stabschefs, auf seine Aufgaben, die Verwaltung des Weißen Hauses zu regeln, die Verbindungen zum Kongreß, zum Kabinett, zur Presse zu koordinieren und kontrollieren. "Das Weiße Haus funktioniert", behauptet Baker. Und diese Feststellung bestätigen inzwischen auch seine Kritiker.

Zu Anfang der Reagan-Präsidentschaft waren die Urteile anders ausgefallen. Damals, so drang es nach draußen, wüteten in dem Haus an Washingtons Pennsylvania Avenue wilde Kämpfe – um Kompetenzen, um politische Zielsetzungen und vor allem um den Zugang zu Ronald Reagan. Es ging um Macht, um viel Macht in der Umgebung eines Präsidenten, dessen Arbeitseifer wie Detailkenntnis spärlich entwickelt sind, und der sich bei seinen Entscheidungen mehr als die meisten seiner Vorgänger auf die Zuarbeit seines Stabes verläßt. Wer sollte die politischen Beschlüsse des Weißen Hauses quasi mundgerecht für den Präsidenten vorbereiten? Wer sollte die Mini-Memoranden verfassen, auf deren Grundlage Ronald Reagan die Richtung weist?

In der Führungstroika, die dies zu besorgen hatte, galt Baker anfangs als Außenseiter. Seine Konkurrenten waren gestandene Kalifornier, erprobte Prätorianer Reagans, die ihm als Gouverneur und in vielen Wahlkämpfen treu gedient hatten: Edwin Meese, der erzkonservative Rechtsanwalt, der seit langem Reagans Ohr und Vertrauen besaß, und Michael Deaver, eine Art Adoptivsohn der Reagans, der stets für ihre gute Stimmung sorgte. Auch andere alte Kämpen, wie Weinberger oder "Judge" Clark, hatten ein gewichtiges Wort mitzureden.

Unter diesen kalifornischen Spezis mußte Jim Baker aus dem Rahmen fallen. Nicht nur seine texanische Herkunft war ein Makel. Mehr noch wurde ihm angekreidet, daß er in früheren Zeiten erst Gerald Ford und dann George Bush bei ihren Auseinandersetzungen mit Reagan um die Präsidentschaft als Wahlkampfleiter geholfen hatte.