Nach Reagans Wiederwahl: Noch ist es für einen neuen Anlauf zu früh

Von Dietrich Strothmann

Kairo/Amman, im November

Noch in der Woche vor der Wiederwahl Präsident Ronald Reagans hüteten sich arabische Politiker in Kairo wie in Amman davor, Illusionen zu hegen. Butros Ghali, ägyptischer Staatsminister im Außenministerium und ein "alter Fuchs" in der Nahostdiplomatie, konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen: "Druck Washingtons auf die Israelis? Die Amerikaner haben es ja nicht einmal fertiggebracht, die Friedensinitiative ihres Präsidenten vom September 1982 durchzusetzen."

Laila Scharaf, jordanische Informationsministerin und enge Beraterin König Husseins, wurde sogar sarkastisch: "Die Israelis werden weiter machen, was sie wollen. Begin forderte hundert neue Siedlungen auf der Westbank und baute schließlich nur zwanzig. Peres verspricht lediglich zwei weitere und wird schließlich zwanzig bauen. Wo ist da der Unterschied und wo der amerikanische Präsident, der das verhindern will, wenn er es verhindern kann?" Und in beiden arabischen Hauptstädten war ebenso aufmerksam registriert worden, wie oft das Nahost-Thema in den Fernsehduellen zwischen Ronald Reagan und Walter Mondale erwähnt worden war: kein einziges Mal.

So weltfremd sind die Optimisten unter den führenden arabischen Politikern denn doch nicht, daß sie von dem derart siegreichen amerikanischen Präsidenten andere Prioritäten erwarten als allenfalls die Wiederaufnahme des Dialogs mit den Sowjets und die Lösung der Mittelamerika-Krise. War sonst noch was? Der Nahe Osten etwa? Er rangiert auf Washingtons Traktandenliste vorläufig unter "ferner liefen".

Furcht bestimmt das Geschehen