Von Marietta Riederer

Paris

Denkwürdig für die Geschichte der Mode wird der Empfang des Präsidenten der französischen Republik bleiben. François Mitterrand und seine Frau Danielle ließen zum ersten Mal die Pforten des Elysee-Palastes für die Mode öffnen. Auf persönliche Einladung fanden sich die Ehrengäste zum Händeschütteln ein: Haute-Couturiers und Kreateure (sei es mit Muse oder Mannequin), Industrielle und Stars von Film und Bühne, Journalisten und Bildende Künstler. Sie alle defilierten; eine kuriose konzertierte Aktion von Kreativität, Wirtschaftspolitik und Propaganda.

Die Damen, stets in einem Modell ihres Begleiters: im langen Schlauchkleid Prinzessin Stephanie von Monaco mit Marc Bohan, ihrem Boß bei Dior. Catherine Deneuve, Hand in Hand mit Yves Saint Laurent, im schlanken Tailleur. Nur Ines de la Fressange, für und ganz in Chanel, war älleine gekommen, da Karl Lagerfeld noch die Säume seiner eigenen Kollektion kürzen ließ.

Während die Herren von Politik und Couture korrekt mit Krawatte im dunklen Flanellanzug, genau wie Mitterrand, erschienen waren, kamen mehrere Kreateure in Jeans zum Blazer, im schwarzen Blouson ohne Krawatte zu Jeans. Jean Paul Gaultier steckte schlicht im Marine-Sweater, dieweil sich sein Assistent als home fatal präsentierte: im langen Rock, der sich erst rückwärts in Hosen verwandelt.

So außerordentlich und bizarr bekleidete Europäer dürften sich noch nie im Elysee-Palast eingefunden haben. Einmalversammelt, erfuhren sie aus berufenem Munde, daß ihr Job den "Chic-Look" der Weltmode bestimmt, in die Rubrik der Künste gehört, an die 230 000 Personen Frankreichs beschäftigt und jährlich für elf Milliarden Francs exportiert.

In den von Wind und Regen gebeutelten Zelten der Louvre-Gärten, einem Wetter, das Pariser am besten in Gummistiefeln durchstehen konnten, glich der superkurze Rock häufig einer Ausflucht, um mit Neuem zu bluffen und dem Mann auf der Straße zu gefallen. Fast immer wird er von Modemachern im Alter um 50 lanciert. Für die junge Garde und Modemacherinnen ist der Mini hingegen nur eine würzige Zugabe des Programms. Sie spielen ihr As gerne mit schlanken, langen Röcken aus, die, wie bei Sonia Rykiels Maschenmode, entweder modern-elegant sind oder eine Prise Romantik vermitteln.