DIE ZEIT

Zweiter Anlauf

Der Bundesinnenminister nimmt den Mund sehr voll: Niemand werde die Beantwortung der im neuen Volkszählungsgesetz vorgesehenen Fragen mit "zulässigen und einsichtigen Gründen" verweigern können.

En Vogue

Am Donnerstag morgen in Paris ein Ereignis: das "Donnerstagsereignis" (L’Evènement Jeudi). Vormittags Schlangen vor den Zeitungskiosken wie sonst nur nachmittags vor den Kinokassen für "Paris Texas" – um 11 Uhr ist das Ding, 300 000 Startauflage, ausverkauft.

Späte Einsicht

Des Kanzlers Impuls war nur zu begreiflich. Um die nicht abreißende Serie von Pannen im Regierungsgeschäft rigoros zu beenden, ehe sie sich zur politischen Existenzgefährdung auswächst, blieb Helmut Kohl gar nichts anderes übrig, als in der Zentrale der Regierungsmacht, und dort natürlich an der Spitze, Remedur zu schaffen.

Verweigerung?

In Bonn streiten die Ressorts und Parteien darüber, ob die Bundesrepublik noch rechtzeitig bis zum 9. Dezember die Internationale Seerechtskonvention zeichnen soll.

Die Krise höret nimmer auf

Mit dem Theater, ganz klar, geht es wieder einmal zu Ende. Wer schuld daran ist, wissen wir alle. Wir alle nämlich sind es selber: die ahnungslosen Kulturpolitiker und die unfähigen Intendanten, die satten Schauspieler und die matten Stückeschreiber, die hämischen Kritiker und das bequeme Publikum.

Zeitspiegel

Seit die Regierung in Südafrika nicht nur Polizei, sondern auch die Armee zur Jagd auf Regimegegner in die Häuser von Schwarzen schickt, bekommt die "Kampagne zur Beendigung der Wehrpflicht" merklichen Zulauf.

Ein diskreter Manager der Macht

Wie jeder Sieg hat auch Ronald Reagans überwältigender Erfolg viele Väter. Einer von ihnen, und wahrscheinlich derjenige, der das Recht auf Vaterschaft, am überzeugendsten beanspruchen kann, ist James Baker.

Worte der Woche

"Kriege brechen nicht aus, weil die Menschen Waffen haben, sondern weil bestimmte Länder oder Systeme sie wollen. Deutschland hat Polen und die ganze Welt nicht darum überfallen, weil es Panzer hatte, sondern weil es Hitler hatte.

Eine Affären-Woche in Bonn: Selbstgerechte, Clevere und Nachdenkliche

"Soll man da nein sagen?" So zitiert der Spiegel Irmgard Adam-Schwaetzer, die Schatzmeisterin der FDP. "Nein" zu sechs Millionen Mark von einem "unbekannten" Gönner, auch wenn wenige Tage nach der Geldüberweisung ein neues Parteiengesetz in Kraft tritt, das solche Spenden untersagt? Die FDP hat "ja" gesagt.

"Nie mit Spenden Vorteile angestrebt"

In vielen Vorstandsetagen und Wirtschaftsgremien wird gegenwärtig über die bisherige Parteispendenpraxis debattiert. Jetzt ist der gesamte Vorstand der Deutschen Bank mit einer Erklärung zu diesem Thema an die Öffentlichkeit getreten.

Freie Demokraten: Mutmachen im Tunnel

Von Zeit zu Zeit macht sich die FDP-Bundestagsfraktion nach Berlin auf, um einerseits dort ernsthaft zu tagen und andererseits Entspannung von der Bonner Fron zu suchen.

Hessen: Furcht vor der Spaltung

Die hessischen Grünen haben ihnen zu bundesweiter Bekanntheit verholfen, den beiden Hanauer Nuklearbetrieben NUKEM und ALKEM.

Europa: Teures Gewurstel

Wieder versuchten die Außen-, Finanz- und Landwirtschaftsminister der EG in Brüssel, alle Vorbedingungen für den spanischen und portugiesischen Beitritt unter Dach und Fach zu bringen.

BONNER BÜHNE: Opfer der Affäre

Das haben Skandale oft an sich, daß sie, selbst wenn sie von wenigen verursacht sind, von vielen ausgebadet werden müssen. Darüber denken jetzt die meisten Bundestagsabgeordneten nach.

Prag: Die Bonner Botschaft leert sich wieder

Wo die Reise der Flüchtlinge nach dem Verlassen des Palais Lobkowitz enden wird, ist ungewiß. Bisher hatte die DDR in vergleichbaren Fällen eine "wohlwollende Prüfung" von Ausreiseanträgen zugesagt, was soviel wie eine Ausreisegarantie in den Westen bedeutete.

NAMEN UND NACHRICHTEN

Marokko trat als erstes Land aus der Organisation für Afrikanische Einheit aus. König Hassan reagierte damit auf die Anerkennung der Befreiungsbewegung Polisario als Regierung der West-Sahara durch die OAU.

Ende einer Ermittlung

Daß es bald zwanzig Jahre nach der beschämenden Revisionsentscheidung des Bundesgerichtshofs im Fall Rehse und fünf Jahre nach den erneut aufgenommenen Ermittlungen im Fall Reimers nun doch nicht zu einem generell abschließenden Urteil über die maskierte Mordmaschine des Volksgerichtshofs kommen wird, hat nichts mit justizformalen Gründen zu tun.

Naher Osten: Friedenssuche im Nebel

Noch in der Woche vor der Wiederwahl Präsident Ronald Reagans hüteten sich arabische Politiker in Kairo wie in Amman davor, Illusionen zu hegen.

Ende des Dialogs

Wie gerissen ist Augusto Pinochet? Hat der Diktator selbst das gescheiterte Attentat am Tage nach dem letzten Proteststreik der linken Opposition inszeniert? Pinochet eröffnete gerade eine Handelsmesse in Santiago, als in zweihundert Metern Entfernung die Bombe hochging.

FDP Baden-Württemberg: Späths Rechnung ging auf

Wir werden", so der baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth in seiner Regierungserklärung nach der Landtagswahl vom März dieses Jahres, "die Landesentwicklungsgesellschaft zu einem Instrument der Industrieansiedlung und Infrastrukturförderung ausbauen.

Evangeliar: Ein Blick aufs teure Buch

Der Vergleich drängt sich auf: Mit dem Evangeliar Heinrich des Löwen verhält es sich ähnlich wie mit einem Kometen. Seit 1175 taucht es immer wieder einmal unverhofft aus geheimnisvollem Dunkel auf, zieht einen breiten Schweif von Publicity und Aufregung nach sich, nur um dann ebenso überraschend (und meist für recht lange) wieder zu verschwinden.

Manches bleibt Spekulation

Italien durchlebt wieder einmal einen heißen Skandalherbst. Im Hintergrund des Freikaufs des Christdemokraten Cirillo, der im April 1981 von den Roten Brigaden entführt worden war, zeichnet sich deutlich die "Vermittlerrolle" der neapolitanischen Camorra ab.

Reden aus dem Bundestag: Gelebte, erlittene Geschichte

Der Parlamentarismus fordert eine redselige Gesellschaft. Den Skeptikern unter seinen Theoretikern war allerdings von jeher geläufig, daß dabei nicht notwendig intellektuell anspruchsvolle Diskurse entstehen.

Streit um den Kurs

Manchmal liest Franz Josef Strauß sogar den Spiegel gern. Höchst zufrieden, das kann man sich denken, registrierte der bayerische Ministerpräsident vergangene Woche eine Meldung des Hamburger Magazins, er, Strauß, sei entschieden dagegen, Aktien der Deutschen Lufthansa aus Staatsbesitz an private Eigner zu verkaufen.

Prozeßkosten: Ein schlimmes Verfahren...

Wie es seine Art ist, packte Otto Graf Lambsdorff den Stier bei den Hörnern. Die Entrüstung darüber, daß er wie zwei weitere Ex-Minister Prozeßkostenvorschüsse aus der Staatskasse nahm, "ist unbegründet", ließ er wissen.

Die Ernte eingefahren

Gewiß – Wolfgang Kuntze, der neue Präsident des Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen, fährt jetzt die Ernte in die Scheuer.

Bonner Kulisse

Der jüngste Prüfungsbericht von Bundesrechnungshof-Präsident Karl Wittrock ist eine Art Abgesang auf die sozial-liberale Regierungsära, die vor gut zwei Jahren zu Ende ging.

Zwangsanleihe: Ersatz

Das jähe Ende der Zwangsanleihe, die in der vergangenen Woche vom Bundesverfassungsgericht verworfen worden ist, hat nicht nur jene Steuerzahler bereichert, die nun schon bald mit der Rückerstattung der Abgabe rechnen können.

Börsen-Report: Zinsen als Treibsatz

Die amerikanische Notenbank hat ihren Restriktionskurs etwas gelockert und sinkende Zinsen zugelassen. Anlaß war das geringe wirtschaftliche Wachstum in den USA im dritten Quartal.

Zeit spart Geld

In Frankreich sind die Aktien- und Anleiheurkunden abgeschafft. Wertpapiere können künftig nur noch auf den Konten der Finanzinstitute gehalten werden.

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