Von Rolf Zundel

Die großen Tage des Flick-Ausschusses gehen zu Ende. Wenn Franz Josef Strauß diese Woche seinen Auftritt absolviert hat, wird wieder jene mühevolle Routine einkehren, die für Schlagzeilen unergiebig ist.

Wen außer ein paar Fachleuten interessiert es schon, was ein Abgeordneter 1974 mit einem Abteilungsleiter im Wirtschaftsministerium gesprochen hat? Wie diese oder jene Gesprächsnuance wirklich war? Da mag das Interesse noch hie und da aufflackern, falls etwa der Kanzler noch einmal geladen wird, wie es die SPD verlangt, um Widersprüche zwischen seinen Aussagen und denen des ehemaligen Konzernbevollmächtigten von Brauchitsch aufzuspüren. Da werden auch manche anderen Erinnerungen verglichen werden, die nicht ganz übereinstimmen. Aber die große Bühne der Nation, wo Minister und Wirtschaftskapitäne, Kanzler und Exkanzler vor überfülltem Saal Rede und Antwort stehen mußten, wo der letzte Akt des Dramas von Rainer Barzel inszeniert wurde – das wird der Ausschuß nicht mehr sein.

Vor bescheidener Kulisse mit spärlicher Journalistenbegleitung werden die Mitglieder des Untersuchungsausschusses versuchen, das feingesponnene Beziehungsgeflecht herauszupräparieren, mit dem der Konzern Bonn überzogen hatte. Nicht als jakobinischer Wohlfahrtsausschuß, wie Strauß vermutet, sondern dem Auftrag des Parlaments folgend: "Zu klären, ob – und falls ja in welcher Weise – es der Flick-Konzern unternommen hat, auf Entscheidungen des Deutschen Bundestages, der Regierung, der Verwaltung oder sonstiger Stellen der Bundesrepublik Deutschland Einfluß zu nehmen."

Dieser Auftrag des Parlaments ist fast zwangsläufig von einem zweiten Thema überlagert worden. Vor allem in den letzten Wochen waren die Erkundigungen nach dem Einfluß von Flick sehr oft nur das Vehikel für eine andere Frage: Wohin und wie floß das Geld? Flick-Affäre und Spenden-Affäre verbanden sich. Zwei verschiedene Welten wurden sichtbar.

Die eine wird in den Notizen des Hauses Flick deutlich. "Jetzt schon", so formulierte es der Ausschußvorsitzende Langner, "wird erkennbar, daß ein Großkonzern mit einer klaren Konzeption auf allen politischen Ebenen sein Verfahren zur Steuerbefreiung verfolgt hat." Grundsätzlich muß es erlaubt sein, daß ein Unternehmen seine Interessen vertritt; die entscheidende Frage aber ist, wann solche Einflußnahme den Rahmen des zulässigen sprengt.

Jedenfalls fand hier eine ziemlich genaue Übertragung der Kriegswissenschaft auf die Politik statt. In "Geleitzügen" sollten die Anträge zur Steuerbefreiung durchgeschleust werden, kleinere Verluste zur Beruhigung der öffentlichen Meinung waren einkalkuliert, wenn nicht gar abgesprochen. Die Gefechtslage wurde systematisch erkundet, auch mit Hilfe bezahlter Informanten. Die Bonner Landschaft wurde "gepflegt": da eine scheinbar harmlose Gefälligkeit, dort eine Unterhaltung unter Gleichgesinnten. Störenfriede wurden einer Sonderbehandlung unterzogen – teils in lockerem Gespräch bei Rotwein, teils durch Einsatz solcher Politiker, die als "vernünftig" galten. Und zuletzt, aber gewiß nicht am unwichtigsten: Es flossen Spenden in Millionenhöhe an alle Parteien.