Mit einem "Hirtenbrief über die katholische Soziallehre und die amerikanische Wirtschaft" haben die katholischen Bischöfe der USA Stellung genommen. Ihr entschiedenes Eintreten für die Armen des Landes ist eine unausgesprochene Kritik an der Wirtschaftspolitik des wiedergewählten Präsidenten Reagan. Hier Auszüge

Die Armen haben einen besonderen Anspruch auf unsere Sorge, weil sie verletzlich und in Nöten sind. Wir glauben, daß alle Menschen, Christen, Juden, Andersgläubige und Ungläubige, ihre Handlungen und Entscheidungen danach ausrichten müssen, was sie für die Armen bedeuten. Als Seelsorger und als Staatsbürger sind wir von einem Grundkriterium wirtschaftlichen Entscheidungen überzeugt: Sie müssen immer dem Menschen dienen.

Das Ausmaß der Armut in den Vereinigten Staaten muß alle Bürger sehr bekümmern. Ende 1983 gab es ungefähr 35 Millionen Amerikaner, die nach der offiziellen Definition der Regierung arm waren. (Eine vierköpfige amerikanische Familie gilt heute als "arm", wenn sie jährlich weniger als 10 178 Dollar zum Leben hat.) Weitere 20 bis 30 Millionen Amerikaner hatten so wenig, daß sie nach jedem vernünftigen Standard ebenfalls hilfsbedürftig waren. Nach einem Rückgang des Anteils der Armen von 14,7 Prozent im Jahre 1966 auf 11,7 Prozent im Jahre 1977 stieg die Zahl bis Ende 1983 auf 15,2 Prozent.

Daß so viele Menschen arm sind, in einer Nation so reich wie die unsere, ist ein gesellschaftlicher und moralischer Skandal, den man nicht ignorieren darf.

Wir sind entschieden gegen Bemühungen, funktionierende Gewerkschaften zu zerschlagen oder durch Einschüchterung und Bedrohung Arbeiter davon abzuhalten, sich in Gewerkschaften zu organisieren, wie das leider heute in unserem Lande geschieht. Eine Reform des amerikanischen Arbeitsrechts ist nötig, um dem Koalitionsrecht mehr Gewicht zu geben, um die Einschüchterung von Arbeitern zu verhindern und um Arbeitsbedingungen zu verändern, die in der heutigen Zeit und unter heutigen Bedingungen ungerecht sind.