Bremen: "Emil Schumacher. Werke 1936-1984"

Emil Schumacher ist einer der Altmeister der deutschen informellen Kunst. Seit 1956 mit Kunstpreisen dekoriert wie nur mancher hochvermögende Staatsrat sind seine Werke buchstäblich in den Museen der ganzen Welt vorhanden von Oslo bis Tel Aviv, von Belgrad bis Cleveland und Ljubljana bis Nebraska; natürlich auch in deutschen Museen. Er ist ein Maler, der es verstand, Positionen vermittelbar zu beziehen, ein Maler, der sich zugleich stets im Hauptstrom aktueller Avantgarde-Kunst bewegte. Die Ausstellung in der Bremer Kunsthalle zeigt eine typische Entwicklung von den dreißiger Jahren bis in unsere Gegenwart. – Während des Dritten Reiches waren es rein sachliche Motive, zwar leicht abstrahiert und in die Fläche gedrängt, aber noch ganz gegenständlich, die Schumacher wählte. Nach dem Krieg wurden die Dinge, Alltagsgegenstände wie der Gartentisch, die Tomatenstaude, Sonnenblumen, feinnerviger, durchscheinend und zweidimensional. In den fünfziger Jahren schließlich wurden Schumachers Bilder abstrakt, das Kolorit grob und dickflüssig. Sind die Farbflächen zuerst noch organisiert, die Linien als feine Gitter, Bildachsen und Koordinationssysteme zu erkennen, so wälzen sich seit den sechziger Jahren schwere amorphe Farbwände über die Leinwand. Wie mancher andere auch, experimentiert Schumacher in den siebziger Jahre mit bildfremden Materialien, bringt zähe Teerklumpen auf die Bildfläche, mengt Sand ins Gefüge und zerstört die Leinwand durch Steinschlag. Und heute leuchtet nun strahlendes Gelb, glühendes Rot, graben sich scharfe Linien in die Oberfläche ein; Gebirge, Häuser, Bäume deuten sich wieder an, dräuend erhebt sich "Gorgo" (1983) aus der Fläche. Der Trend ist, daß abstrakte Malerei farbenfroher, gegenstandsähnlicher wird. (Kunsthalle bis zum 25. November, Badischer Kunstverein Karlsruhe vom 22. Januar bis 10. März 1985. Katalog 28,– DM.)

Elke von Radziewsky

Wichtige Ausstellungen

Berlin: "Das Abenteuer der Ideen, Architektur und Philosophie seit der industriellen Revolution" (Neue Nationalgalerie bis 18. 11., Kataloge für 10-, 27,-, 38,– DM)

Düsseldorf: "von hier aus – Zwei Monate neue deutsche Kunst in Düsseldorf (Halle 13 Messegelände bis 2. 12., Katalog 40,– DM)

Hamburg: "Marino Maria!" (Kunstraum Hamburg, Osterfeldstr. bis 18. 11., Katalog 35,– DM)