Von Gerhard Spörl

Berlin,im November

Von Zeit zu Zeit macht sich die FDP-Bundestagsfraktion nach Berlin auf, um einerseits dort ernsthaft zu tagen und andererseits Entspannung von der Bonner Fron zu suchen. Da paßt es gut, wenn sich ein Galerist auf dem Kurfürstendamm findet, der ein geselliges Beisammensein mit einigen Künstlern, Filmemachern und Schauspielern arrangiert. Dann stellt sich noch am ehesten jene Atmosphäre aus bürgerlichem Behagen und Kultiviertheit ein, die stets ein Qualitätsmerkmal der Liberalen gewesen ist.

Diesmal wollte die rechte Freude an Kunst und Geselligkeit allerdings nicht aufkommen. Zu bedrückend ist die Gegenwart. Selbst die Witze auf eigene Kosten zünden nicht. "Wenn die FDP alle diese Sachen verkaufen könnte", alberte ein prominenter Liberaler und ließ den Blick schweifen über die Radierungen Picassos, die aufdringlich bunten Acrylzeichnungen Dubuffets und großformatigen Ölbilder Francis Bacons, und zwar "anonymisiert" – "ja, dann wäre die FDP saniert".

Dennoch bleibt die Punkte-Partei für Überraschungen gut. Keineswegs überläßt sie sich der Zerknirschung, weil die Sechsmillionen-Spende erst im Dezember 1983 unter halb konspirativen Umständen hereingeschneit war und dann ziemlich spät und bemüht beiläufig bekanntgemacht wurde. Die FDP hat eine offizielle Lesart parat, und alle halten sich daran: Weder sei das Geld "gewaschen" worden, noch habe Horten sich damit Einfluß kaufen wollen. Anonymität habe man ihm auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin zugesichert. Schließlich sei Spende nicht gleich Spende und Horten nicht gleich Flick.

Horten hat im übrigen nicht übertrieben. Am Ende des vorigen Jahres war die FDP praktisch pleite. Die Schulden kletterten gen zehn Millionen. Niemand wußte, wie der Europa-Wahlkampf finanziert werden sollte. Horten, der Multimillionär habe sogar, so wird jetzt verbreitet, zehn Millionen spenden wollen. Er sei aber ärgerlich geworden, weil Schatzmeister Wurbs kein Konto einzurichten vermochte. Und die unzüchtige Eile, mit der die Transaktion rechtzeitig vor Inkrafttreten des neuen Gesetzes ablief? Die Alternative, so lautet die Antwort, wäre der Konkurs gewesen – und Horten wollte nun einmal anonym bleiben. Die Großspender mußten zwar auch unter dem alten Parteiengesetz namentlich genannt werden. Doch darüber setzte sich die FDP hinweg.

Gefragt wurde in Berlin immer wieder, weshalb der Transfer nicht früher zustande gekommen war. Der Schuldige heißt Wurbs. Der Ex-Schatzmeister, so ließ sich die Fraktion informieren, habe anderes im Sinn gehabt. Er war dagegen, ein normales FDP-Konto einzurichten; er hätte ein Schweizer Konto und den heimlichen Grenzverkehr bevorzugt. Deshalb kam das große Geschäft dann ohne ihn, an ihm vorbei zustande. Damit löst sich zumindest ein Widerspruch: Wurbs hatte vorige Woche behauptet, er habe nicht länger Schatzmeister sein wollen, weil Dubioses vonstatten gegangen sei. Das stimmt, sagen die Liberalen: Wurbs hätte es gern noch dubioser gehabt.