Von Charlotte Kerner

Dem Manne, kein Zweifel, stank das Rauchen: "Das Rauchen macht dumm, es macht unfähig zum Denken und Dichten." Und weil er gerade in Fahrt war, ließ der überzeugte Nichtraucher Johann Wolfgang von Goethe seine Kritik an den "Schmauchlümmeln" wortreich fließen: "Aber es liegt im Rauchen auch eine arge Unhöflichkeit, eine impertinente Ungeselligkeit. Die Raucher verpesten die Luft weit und breit und ersticken jeden honetten Menschen, der nicht zu seiner Verteidigung zu rauchen vermag. Wer ist denn imstande, in das Zimmer eines Rauchers zu treten, ohne Übelkeit zu empfinden? Wer kann darin verweilen, ohne umzukommen?"

Heute formulieren die Gegner des Glimmstengels knapp: "Nichtrauchen – modern, unabhängig, umweltbewußt" oder "Rauchen? Find ich Deknackt!" Sie attestieren den Nikotinsüchtigen keinen Duft von Freiheit und Abenteuer, sondern den "Gestank von Langeweile und Abhängigkeit". Heute ist zudem wissenschaftlich erhärtet, was Goethe bereits vor mehr als 200 Jahren ahnte. Wer zwangsweise den blauen Dunst einatmet, also Zwangsraucher oder – harmloser formuliert – Passivraucher ist, lebt gefährlich.

Rauchen ist nicht nur Selbstmord, sondern auch Mord auf Raten. Gegen die Gefährdung protestieren Zwangsraucher am 17. November weltweit mit einem "Weltnichtrauchertag". Der Mannheimer Mediziner und Krebsspezialist Professor Ferdinand Schmidt sieht in dem Tag einen Anlaß, "das Rauchen als wichtigste Umweltverschmutzung der Innenräume herauszustellen" und erneut auf die "wahrhaft katastrophalen Folgen für die Volksgesundheit" hinzuweisen.

Von seiner Zigarette genießt der Raucher nur ein Drittel, den sogenannten Hauptstrom. Der Rest des Glutrauches ("Nebenstrom"), der zwischen zwei- bis achttausend verschiedene chemische Substanzen enthält, zieht in die Umgebung. Dort belästigen Reizstoffe wie etwa Formaldehyd und Ammoniak die Nichtraucher: Die Augen brennen, die Schleimhäute sind gereizt, Kopfschmerz, Husten und Übelkeit stellen sich ein.

Ein Hauptübeltäter ist das Kohlenmonoxid. Dieses gesundheitsschädliche Gas, das bei jeder Verbrennung frei wird, behindert die Sauerstoffversorgung von Geweben und Organen. In stark verqualmten Bars und Gaststätten und vereinzelt bei Autofahrten kann die CO-Konzentration in der Luft schon einmal den für Arbeitsplätze zugelassenen Maximalwert (MAK) erreichen, der 30 Milliliter pro Kubikmeter (30 ppm) beträgt. In der Regel liegt weit weniger Kohlenmonoxid in der Luft, wobei das Gas nahe bei der Zigarette und im Blasfeld des Rauchers gehäuft vorkommt. Es kommt also auch darauf an, wo der Passivraucher sitzt.

Je länger jemand Kohlenmonoxid einatmet, um so größer die Gefahr, daß er sich unwohl fühlt. Seine Konzentrations- und Leistungsfähigkeit sinken. Nicht umsonst ist in Bibliotheken und bei Prüfungen "Rauchen verboten". Menschen, die nicht gesund sind, leiden verstärkt unter der schlechten Luft. Vor vier Jahren sprach ein Kölner Amtsgericht einem Bronchialasthmatiker 300 Mark Schmerzensgeld zu. Der Mann saß zwar während eines 18stündigen Fluges auf seinem reservierten Nichtraucherplatz, doch löste herbeiziehender Tabakrauch Hustenanfälle aus. Die Fluggesellschaft mußte zahlen, weil sie den Passagier nicht vor dem blauen Dunst geschützt hatte.