Literature-Kontinent Afrika

Von Janos Riesz

Eine Saison lang hatte die afrikanische Literatur viel von sich reden gemacht; 1979/80 kam erst das Berliner Horizonte-Festival mit seinen zahlreichen Autorenlesungen, Diskussionsveranstaltungen, Theater- und Filmvorführungen, Darbietungen traditioneller und moderner afrikanischer Kunst und Musik. Mit geringerer Besetzung fanden dann ähnliche Manifestationen afrikanischer Kultur und Literatur in anderen deutschen Städten statt: eine afrikanische Filmwoche da, der Auftritt eines Theaterensembles dort, vereinzelte Lesungen. Die Medien nahmen sich der afrikanischen Literatur an: Presse, Rundfunk und Fernsehen stellten afrikanische Autoren und einzelne ihrer Werke vor.

Der Höhepunkt war dann mit dem Schwerpunkt "Afrika – ein Kontinent auf dem Weg zu sich selbst" der 32. Frankfurter Buchmesse 1980 erreicht. Ihr voraus ging ein Symposium über "Die Funktion afrikanischer Literaturen", bei dem es erregte Debatten über zentrale Fragen dieser Literatur gab: die Frage der Verwendung europäischer oder afrikanischer Sprachen, die Frage des Publikums dieser Literatur, ihrer Themen und Aufgaben, ihrer erwünschten Verbreitung. Die senegalesische Autorin Mariama Bä erhielt für ihren bekenntnishaften Eheroman "Ein so langer Brief" den von einem japanischen Verleger gestifteten Noma-Preis. Die "Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e. V." brachte eine Broschüre "Literatur aus Schwarzafrika" heraus, mit der 102 Bücher afrikanischer Autoren von "Kennern und Freunden afrikanischer Literatur" vorgestellt, wurden und deutschsprachigen Verlegern zur Übersetzung empfohlen werden sollten. Die Initiative der Verlage Hammer (Wuppertal) und Walter (Olten und Freiburg i. Br.), mit der Reihe "Dialog Afrika" wichtige afrikanische Romane einem größeren Publikum nahezubringen, sollte damit unter Einbeziehung anderer Verlage auf eine breitere Basis gestellt werden.

Beiden Unternehmungen war nur ein relativ geringer Erfolg beschieden. In einem Brief vom März 1982 an die Bezieher von "Dialog Afrika" bilanziert der Hammer-Verlag das Ergebnis seiner Bemühungen:

"Aus unserer Sicht sei zu ‚Dialog Afrika‘ angemerkt, daß zwar die Reihe ein deutliches Zeichen für die neue Literatur Afrikas gesetzt hat, daß aber die Absatzzahlen in keinem vernünftigen Verhältnis zu den enormen Anstrengungen stehen."

An die Stelle der Reihe "Dialog Afrika" trat die Reihe "Dialog Dritte Welt", ein Unternehmen, das außer vom Hammer-Verlag auch noch vom Lamuv-Verlag und dem Züricher Unionsverlag getragen wird. Von den 102 Titeln "Literatur aus Schwarzafrika" liegen inzwischen nur einige wenige in deutscher Übersetzung vor (mir bekannt sind die deutschen Übersetzungen von Buchi Emecheta: Joys of Motherhood" als "Nnu Ego – Zwanzig Säcke Muschelgeld" im Frauenbuchverlag, Wole Soyinka: "The Interpreters als "Die Ausleger" im Walter-Verlag, Ngûgî wa Thiong’o: "The River Between" als "Der Fluß dazwischen" im Weismann Verlag). Daneben sind allerdings eine ganze Reihe anderer, nicht in dieser Broschüre verzeichneter Werke ins Deutsche übertragen. Von einer breiteren Rezeption afrikanischer Literatur hierzulande kann man aber noch lange nicht sprechen.