Die Politiker präsentieren sich und ziehen erste Bilanz

Von Gunter Hofmann

Bonn, im November

Montag, 5. November

"Soll man da nein sagen?" So zitiert der Spiegel Irmgard Adam-Schwaetzer, die Schatzmeisterin der FDP. "Nein" zu sechs Millionen Mark von einem "unbekannten" Gönner, auch wenn wenige Tage nach der Geldüberweisung ein neues Parteiengesetz in Kraft tritt, das solche Spenden untersagt? Die FDP hat "ja" gesagt.

Zwar hatte bereits die Süddeutsche Zeitung davon berichtet, aber merkwürdig: Ein Politikum scheint so etwas für die Regierenden erst zu sein, wenn der Spiegel einsteigt. So ist das mit dem Magazin – und mit Bonn – schon einmal gewesen, in den 50er Jahren. Und so wird der Spiegel von den Politikern jetzt wieder wahrgenommen.

Solche Druckerzeugnisse, hat Helmut Kohl am Wochenende gedonnert, spiegelten eher die "Hamburger Kloake" wider als Journalismus – ein Kommentar, der ihm noch öfter über die Lippen kommt. Bonn, das scheint längst festzustehen, wird wie in den Kinderjahren der Republik eingeholt, wenn nicht überrollt von seinen Affären. Täglich wird man überdrüssiger, aber täglich wird es auch schwerer, sich den Blick dafür freizuhalten, daß Affären und Skandale doch nicht schon die ganze Politik sind.