Von Barbara Mettler-Meibom

Der Postminister hatte etwas zu bieten: "das größte Vorhaben, das die Post jemals unternommen hat". Dieses Etikett heftete Christian Schwarz-Schilling an ein Konzept, das auf den ersten Blick wenig Glanz absondert, den Aufbau eines integrierten digitalen Fernmeldenetzes.

Und er fügte noch hinzu: Was die Post hier plane, habe weit größere Ausmaße als das öffentlich breit diskutierte Kabel- und Satellitenfernsehen.

Recht hat er. Doch wo bleibt in diesem Fall die öffentliche Diskussion, wo die Abwägung von Risiken und Vorteilen, die aus den Auseinandersetzungen um die Zukunft des Rundfunks so sattsam bekannt ist? Hier kommt die Aufklärung ganz offensichtlich viel zu spät; die Planung für den Netzausbau ist bereits in vollem Gange, derzeit wird jährlich eine Milliarde Mark investiert, von 1988 an sollen es vier Milliarden sein. Und keiner sagt oder fragt: was soll’s?

Schließlich, es geht um nicht mehr und nicht weniger als um den Aufbau einer neuen Verkehrsinfrastruktur für den Transport von Nachrichten aller Art. Und es ist anzunehmen, daß sich in der Folge Prozesse und Inhalte der Information und Kommunikation in unserer Gesellschaft grundlegend verändern werden.

Besteht also eine weitverbreitete Unkenntnis über das, was auf uns alle zukommen wird? Dies ist ganz offensichtlich der Fall: Nur wenige sind bislang in der Lage zu erfahren und zu verstehen, um was es hier geht; eine Abschätzung der Folgen sucht man vergeblich; der einstmals geforderte "technologie-politische Bürgerdialog" ist ausgeblieben; und dennoch wird die Digitalisierung der Fernmeldenetze in unser aller Leben eingreifen.

Was also ist gemeint, wenn von so mystischen Worten und Buchstabenkombinationen wie Digitalisierung oder ISDN die Rede ist? Die Deutsche Bundespost (siehe auch Kasten "Daten-Straßen") unterhält derzeit eine Reihe von Spezialnetzen für ganz unterschiedliche Dienste: Funknetze für Hörfunk und Fernsehen, Datennetze für Datenverkehr und das Netz für den neuen Dienst Bildschirmtext. Das größte und wichtigste ist natürlich das Telephonnetz. Es hat heute rund 24 Millionen Hauptanschlüsse mit rund 35 Millionen Sprechstellen. Kein anderes Netz verfügt über eine solche Anschlußdichte, über ein so hohes Verkehrsaufkommen und eine derartige Ausbreitung in der Fläche. Dieses Telephonnetz arbeitet analog: die Sprache also wird analog zu den akustischen Schwingungen übertragen.