Nach einem langen Kursaufschwung am Aktienmarkt fällt es den Banken schwer, ihre Kunden zum Aktienkauf zu bewegen. Jetzt werden Unternehmen ins Rennen geschickt, die am Umweltschutz verdienen.

Wer verdient am Umweltschutz? Für Anleger eine durchaus berechtigte Frage. Denn schließlich geht es hier um einen Markt, auf dem in den kommenden Jahren rund 20 Milliarden Mark investiert werden sollen. Und dies weitgehend unabhängig von der konjunkturellen Entwicklung.

Daß der Umweltschutz in der Bundesrepublik strenger gehandhabt wird als bei unseren europäischen Nachbarn, wirkt sich im Moment wegen der damit verbundenen Kosten zwar wettbewerbshemmend aus, kann der deutschen Industrie auf mittlere Sicht aber zum Vorteil gereichen, weil sie früher als ihre Konkurrenz gezwungen ist, sich mit den Umweltschutzproblemen zu beschäftigen und sich deshalb in Forschung und Technik einen Vorsprang verschafft. Vieles spricht dafür, daß daraus Exportchancen erwachsen, so daß wohl zu den eingangs erwähnten 20 Milliarden noch etliche dazukommen werden.

Eine gezielte Anlage in "Umweltschutzaktien" ist deshalb schwierig, weil – wie die Deutsche Genossenschaftsbank in einem jetzt veröffentlichten Exposé feststellt – die Umweltschutzprodukte meist nur einen bescheidenen Anteil an den Umsitten deutscher Unternehmen haben. Immerhin enthält der deutsche Aktienkurszettel einige aus dem Blickwinkel des Zukunftsmarktes Umweltschutz gesehen recht interessante Unternehmen.

Der Bogen läßt sich deshalb weit spannen, weil sich der Umweltschutz von den Maßnahmen zur Bodenverbesserung (Düngemittel) über Katalysatoren, Abwässerreinigung, Abfallbeseitigung bis zur Rauchgasentschwefelung erstreckt, für die allein in den nächsten fahren 15 Milliarden Mark ausgegeben werden sollen.

Als Umweltschutzunternehmen Nr. 1 galt an der Börse bisher die Degussa, die auf dem Markt der Autoabgaskatalysatoren eine Spitzenstellung einnimmt. Für das auf die Degussa zukommende Geschäft ist die Gesellschaft von der Kapazität her gerüstet.

Der Kurs der Degussa-Aktie liegt zur Zeit um rund 20 Mark unter ihrem Jahreshöchststand und auch noch leicht unter dem vom Jahresbeginn. Das läßt auf Kursreserven schließen.