In Bonn streiten die Ressorts und Parteien darüber, ob die Bundesrepublik noch rechtzeitig bis zum 9. Dezember die Internationale Seerechtskonvention zeichnen soll. 134 Staaten haben das bereits getan.

Bonn fällt die Entscheidung schwer, teilweise aus verständlichen Gründen. Das neue Seerecht enthält viele gute, aber auch manche bedenkliche Regelungen. So soll vor allem nicht der freie Wettbewerb, sondern eine internationale Behörde die Ausbeutung der Rohstoffe auf dem Meeresboden der Tiefsee bestimmen. Die Unionsfraktionen haben deshalb durch ihren Vorstand die Konvention bereits abgelehnt: Die Fahne der Marktwirtschaft soll nicht nur über deutschen Landen, sondern auch auf fernen Ozeanen wehen.

Aber eine internationale Ordnung, die unseren Vorstellungen voll entspricht, wird es nie geben. Wir können immer nur hoffen, daß wir durch aktive Teilnahme unsere Ideen einbringen und so das Ergebnis mitgestalten. Dafür aber bedarf es der Zeichnung. Wenn die Frist am 9. Dezember ungenutzt verstreicht, ist es dafür zu spät. Dann können wir nur noch schimpfen – zusammen mit den anderen beiden Haupt-Verweigerern, dem England Margaret Thatchers und dem Amerika Ronald Reagans. Auf diese Weise werden wir in der Dritten Welt kaum um Verständnis für deutsche Interessen werben können. -cb-