Von Heinz-Günter Kemmer

Die beiden jungen Männer machen einen richtig netten Eindruck. Adrett gekleidet, gepflegte Sprache – so etwa wünscht sich mancher seinen Schwiegersohn. Aber Vorsicht, die Herren haben hohe Schulden und werden vielleicht ihres Lebens nicht mehr froh. Der Immobilienkaufmann und Bauunternehmer Wolfgang Tetzner und der Bankkaufmann Udo Kapp stehen mit ihrer gemeinsamen Firma kurz vor der Pleite; Kapp hat am 23. Oktober schon den Offenbarungseid geleistet.

Dabei hatten die beiden Jungunternehmer vor zwei Jahren noch den festen Willen und auch die besten Aussichten, in kurzer Zeit zu Wohlstand zu kommen. Helfen wollte ihnen dabei die Hammer Bank, ein Institut aus dem Genossenschaftsbereich, das inzwischen wegen nicht genügend gesicherter Kredite in die Schlagzeilen geraten ist und selbst der Hilfe durch die Genossenschaftsorganisation bedarf – von dreistelligen Millionenbeträgen ist die Rede.

Zu dieser Bank gehört die HB Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH, die in Hamm Grundstücke zu verkaufen hatte. Eines davon bot die Bank einer Versicherungs- und Finanzierungsgesellschaft in Münster an, bei der Kapp tätig war. Die Geschäftsleitung lehnte ab, Kapp witterte für sich das große Geschäft. Schnell tat er sich mit Tetzner zusammen. Und noch ehe die beiden mit je 25 000 zusammengekratzten Mark die Tetzner & Kapp Gesellschaft für Wohnungsbau mbH gründeten, hatte sie vor dem Hammer Notar Günther Göcken – der zufällig auch Aufsichtsratsvorsitzender der Hammer Bank ist – einen Kaufvertrag über ein 3050 Quadratmeter großes Grundstück zum Preise von 701 500 Mark unterschrieben.

Das war Anfang September 1982. Das Risiko schätzten die jungen Leute – Tetzner war damals 32, Kapp 28 Jahre alt – gering ein. Dafür schien ihnen die Hammer Bank zu bürgen, die in der Tat ein verlockendes Angebot gemacht hatte: Sie wollte die Finanzierung übernehmen, der Kaufpreis sollte bis zum 1. Juli 1983 gestundet werden. Und die HB Grundstücksentwicklungsgesellschaft hatte sich durch Exklusivvertrag das Vertriebsrecht für die geplanten Reiheneigenheime gesichert. Bis zur Fälligkeit des Kaufpreises, so hofften die vermeintlichen Wirtschaftswunderkinder, werde man sämtliche Häuser verkauft haben und damit kein finanzielles Risiko mehr laufen.

Aber es kam natürlich ganz anders. Denn da machte der Umlegungsausschuß der Stadt Hamm Schwierigkeiten. Mit Schreiben vom 30. September 1982 teilte er dem Notar Göcken mit, daß es für den Kaufvertrag keine Genehmigung geben könne. Er führe zu Restflächen auf Nacnbargrundstücken und erschwere damit die Umlegung. Einzig erfreuliche Nebenwirkung für Tetzner & Kapp: Der Notar Göcken ermäßigte seine Forderungen um 2066,49 auf 4009,80 Mark.

Den Wink des Schicksals übersahen die Jungunternehmer geflissentlich. Sie waren immer noch scharf auf das Grundstück und sprachen in einem Schreiben an die Hammer Bank, datiert vom 15. November 1982, davon, daß "der Kauf eines Grundstücks am Ammerweg, Hamm-Osten, zu sehr günstigen Bedingungen" an sie herangetragen worden sei. Von diesen günstigen Bedingungen wollen sie heute freilich nichts mehr wissen. 230 Mark je Quadratmeter zuzüglich fünf Mark Umlegungskosten und ohne Erschließungskosten sei nicht marktgerecht.