Der alte Streit um den wirksamsten Filter für Zigaretten flammt wieder auf

Werte fast Null, Geschmack Full Flavour", preist die Bremer Zigarettenfirma Martin Brinkmann ihr neuestes Produkt, die Muratti No 1, in Anzeigen. Dazu fielen den Werbeleuten denn auch nur noch Worte des Staunens ein: "Phantastisch!" und "Donnerwetter!". Für die vielen Raucher, die nur mit schlechtem Gewissen zum Glimmstengel greifen, aber dennoch nicht von ihrem Laster lassen können, tatsächlich eine phantastische Lösung: eine quasi gesunde Zigarette mit kräftigem Geschmack.

Diese Lösung erreicht Brinkmann indes nur mit dem "modernsten Filtersystem", wie es in einer Fußnote der Anzeigen heißt. Der Muratti-Filter nämlich ist rundum perforiert, so daß beim Rauchen Frischluft mit eingesogen wird – so werden die Schadstoffwerte niedergedrückt.

Brinkmanns Konkurenz freilich, die Hamburger Zigarettenfirma Reemtsma empfand die werbliche Auslobung "Werte fast Null" als Übertreibung und erwirkte vor dem Hamburger Landgericht eine einstweilige Verfügung. Nun müssen sich die Brinkmänner dazu etwas Neues einfallen lassen.

Der Clinch zwischen Brinkmann und Reemtsma ist derzeit allerdings nur ein Nebenkriegsschauplatz, denn die Branche liegt – wie schon Mitte der siebziger Jahre – in heftiger Fehde. Kommende Woche trifft man sich vor den Schranken des Münchner Landgerichts, eine Woche darauf vor einem Kölner Richter. Die Streitursache ist – wie schon vor gut zehn Jahren – ein neues Filtersystem. Mit großem werblichen Aufwand hatte die Hamburger BAT Cigarettenfabriken Anfang Oktober als "richtungweisende Innovation" die Marke Barclays bundesweit eingeführt. "Die Besonderheit von Barclays", so lobte die BAT, "liegt in der Kombination einer hocharomatischen Tabakmischung in Verbindung mit dem neu entwickelten Filtersystem." Die als Actron-Filter für die BAT patentierte Konstruktion läßt durch vier seitlich angebrachte Luftkanäle beim Rauchen ebenfalls Frischluft ein – "die Rauchverwirbelung", so erklärt die BAT ihren Konsumenten, "erbringt den vollen Geschmack bei äußerst niedrigen Werten". Und trotzig erläutert das Unternehmen: "Die Werte mit 0,2 Milligramm Nikotin und ein Milligramm Kondensat sind exakt nach der in Deutschland gesetzlich vorgeschriebenen Abrauchnorm (DIN) ermittelt."

Die Rauchmaschine indes, kontert die Konkurrenz, raucht anders als ein Mensch – die Lippen, so der Einwand, blockieren die Luftfilter, unddadurch würden die Raucher viel höhere – nämlich achtmal so hohe – Schadstoffwerte aufnehmen als vom Unternehmen angepriesen. Die Konkurrenz, Reemtsma, Philip Morris und Reynolds, will denn auch nichts anderes, als daß "Verkauf und Werbung mit diesen Werten" eingestellt werde, so Philip Morris-Sprecher Werner C. Prellwitz.

Genau dieses haben die BAT-Konkurrenten soeben in der Schweiz erreicht. Das Bundesgericht hatte Anfang November die von der BAT eingereichte Berufung gegen das Urteil des Genfer Kantonsgerichts vom Juli dieses Jahres zurückgewiesen. Damit ist es der BAT in der Schweiz verboten, ihre Barclay weiter mit der Bezeichnung "Teerstoffe ein Milligramm, Nikotin 0,2 Milligramm, bestimmt nach Standardmethoden" zu verkaufen.