Paulus und Tempo 100

Offenbar aber sind die Werke des Fleisches, welche sind: Unzucht, Unkeuschheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Zornausbrüche, Ränke, Zwietrachten; Parteiungen, Neid, Völlerei, Schwelgerei und Rasen auf der Autobahn. Wenn ihr aber einander überholt, so sehet zu, daß ihr nicht voneinander aufgerieben werdet. Es wird kommen die Zeit, da die Atomkraft-nein-danke-Plaketten auf den Autohecks von Tempo-100-Schildchen abgelöst werden. Und siehe, einen Anfang hat die Synode des Kirchenkreises Berlin-Zehlendorf gemacht. Sehet nur, mit wie großen, roten Buchstaben sie einen Aufkleber bedruckt hat: "Freiwillig Tempo 100, Galater 5,13." Denn der Paulus hat in seinem Brief an die Galater gemahnt, die Freiheit nicht selbstsüchtig zu gebrauchen: "Ihr seid zur Freiheit berufen, ihr Brüder. Nur lasset die Freiheit nicht zu einem Anlaß für das Fleisch werden, sondern dienet einander durch die Liebe!" Die aber, die da sagen: "Freie Fahrt für freie Bürger", seid gewiß, daß die das Reich Gottes nicht ererben werden.

dpa und die Beißwut

Man sagt nicht nur, jemand sei vom wilden Affen gebissen – das passiert auch. "Ein Polizist in der ostindischen Hafenstadt Kalkutta ist jetzt im wahrsten Sinne des Wortes von einem wilden Affen gebissen worden", meldete die Deutsche Presse-Agentur. Der Affe sei "auf unbekannte Weise" in die Polizeiwache eingedrungen; "einige, der Ordnungshüter" hätten daraufhin versucht, ihn zu "entfernen"; "dies nahm der Affe übel" – er habe zugebissen. Der Polizist habe aber "offenbar" keinen Spaß verstanden: "Das Äffchen wurde später erschlagen vor der Tür der Wache aufgefunden."

Wie gut, daß die dpa-Zentrale in Hamburg liegt und nicht in Kalkutta, sonst wäre der für diese Meldung zuständige Redakteur womöglich auch noch erschlagen worden.

Oma und ihre Wünsche

Oma im geilen Zwirn kommt frisch von der Schicht. Während das Telephon ununterbrochen klingelt – Karl-Otto mal wieder –, erzählt sie den gähnenden Kleinen von den alten Zeiten: von Opas Droschke und Pökelfleisch und von dem ewigen Canasta. Denn Oma weiß ja noch, wie "es früher war, als es noch viel weniger Autos, kein Fernsehen und keine Kühlschränke gab".