Verweigerung

Seit die Regierung in Südafrika nicht nur Polizei, sondern auch die Armee zur Jagd auf Regimegegner in die Häuser von Schwarzen schickt, bekommt die "Kampagne zur Beendigung der Wehrpflicht" merklichen Zulauf. Deren Organisatoren argumentieren seit etwa fünf Jahren öffentlich gegen die Idee der Wehrpflicht, ohne dabei in den Fehler zu verfallen, jungen Weißen direkt zur Verweigerung zu raten: Das nämlich würde gegen Gesetze verstoßen und dem Regime einen Vorwand liefern, die unbequeme Kampagne zu verbieten. Viele verstehen auch so. Schätzungsweise drei- bis viertausend junge Männer melden sich gar nicht erst zur Musterung; Hunderte verlassen jedes Jahr das Land, weil sie nicht gegen die Unabhängigkeitsbewegung Swapo in Namibia kämpfen oder ihre schwarzen Landsleute drangsalieren wollen. Zwar darf man in Südafrika den Wehrdienst verweigern. Aber anerkannt werden nur "religiöse Gründe", und die Prüfungskommissionen sind engstirnig. Viele, die nicht anerkannt werden, bleiben trotzdem beim "Nein" und ziehen zwei Jahre im Gefängnis zwei Jahren in der Uniform vor. Jetzt will die Regierung härter gegen ihre unwilligen Söhne vorgehen: Die Höchststrafe wurde auf sechs Jahre Haft heraufgesetzt.

Umwege

Waffen gehen seltsame Wege. Die afghanischen Rebellen beziehen sie von der pakistanischen Armee, die sie ihrerseits in China einkauft und mit Geld aus den Golfstaaten bezahlt. Das berichtet der französische Journalist Jacques Abouchar, der im September einen solchen Munitionstransport begleitet hatte, sowjetischen Truppen in die Hände gefallen und nach großer Aufregung über seine Verurteilung als Spion nach Frankreich zurückkehren durfte. Pakistans Armee hat eine eigene Abteilung gebildet, die die Waffen an die verschiedenen Widerstandsgruppen verteilt, wobei religiöse Kriterien ebenso zählen wie die Bereitschaft der Widerstandskämpfer, mit Pakistan zusammenzuarbeiten. Pakistans Zia ul-Haq scheint zwar durchaus daran interessiert zu sein, daß im Nachbarland Unruhe herrscht, aber zu groß sollen die Erfolge der Mudjaheddin auch nicht sein. Denn sie erhalten Panzerminen, Flakgeschütze und Gewehre, nicht jedoch Funkgeräte – die bleiben in pakistanischen Depots. Die Afghanen müssen sich mit Kurieren behelfen, eine zeitraubende und gefährliche Methode. Gemeinsame Aktionen der einzelnen Widerstandsgruppen sind darum nahezu unmöglich.

Freispruch

William Shakespeare, so befand das Gericht, sei in Sachen Richard der Dritte durchaus kein unverdächtiger Zeuge. Schrieb er nicht sein bluttriefendes Drama über den machtgierigen Mörder als treuer Untertan der Tudor-Königin Elizabeth I.? Und hatten nicht die Tudors allen Grund, diesen Richard so schlecht wie möglich zu machen? Schließlich hatten sie ihn erst in der Schlacht von Bosworth 1485 zerstückeln müssen, bevor ihre Familie den Thron besteigen konnte. Was also lag näher, als ihm den Mord an seinen Neffen, dem zwölfjährigen Edward V. und seinem Bruder, andichten zu lassen? Von dem jungen König und seinem kleinen Bruder fehlte lange jede Spur – bis 200 Jahre später Arbeiter dicht beim Tower eine Kiste mit zwei Kinderskeletten ausgruben. Die Indizien sprachen gegen Richard und für Shakespeares Version. Dennoch hat ihn ein Tribunal namhafter englischer Historiker und Juristen jetzt freigesprochen – aus Mangel an Beweisen. Freut sich ein später Nachfahr, der heutige Herzog von Gloucester: "Ich kann nicht behaupten, daß er ein Heiliger war; aber niemand kann so gemein sein wie Shakespeares Richard!"