Die amerikanische Notenbank hat ihren Restriktionskurs etwas gelockert und sinkende Zinsen zugelassen. Anlaß war das geringe wirtschaftliche Wachstum in den USA im dritten Quartal. Der deutsche Rentenmarkt hat davon profitiert. Hier sanken die Renditen auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren. Die Realkreditinstitute melden bereits eine wachsende Nachfrage nach Hypotheken. Zwar geht es bei ihnen nur zu einem Teil um Neubauten. Dennoch gilt es als sicher, daß das jetzt erreichte Zinsniveau der Bautätigkeit Anstöße geben wird. Die wirtschaftlichen Wachstumserwartungen für 1984 werden wieder höher angesetzt.

Das erklärt auch die bemerkenswerte Stabilität des Aktienmarktes. Nach Beendigung der Verkäufe, die der Börsenberufshandel aus Enttäuschung über die ausgebliebene Hausse nach dem Wahlsieg von Präsident Reagan vorgenommen hatte, halten sich die deutschen Standardaktien bemerkenswert gut. Den Ton gaben in den letzten Tagen inländische Investoren an. Vermutet werden wiederanlagekäufe einiger großer Publikumsfonds.

Ein Anlageschwerpunkt zeichnete sich bei den Bank-Aktien ab, von denen insbesondere die der Dresdner Bank bemerkenswerte Fortschritte gemacht haben. Hoffnungen knüpfen die Käufer offenbar an die bevorstehenden Herbstpressekonferenzen der Großbanken. Bei der Commerzbank findet sie am 23. November statt, bei der Dresdner Bank am 28. November. Die Deutsche Bank folgt im Dezember. Dank der in jüngster Zeit erweiterten Zinsmarge werden die Bankabschlüsse für 1984 besser als zunächst vermutet ausfallen. Die Zinssenkung hat in den Rentenportefeuilles der Banken erhebliche realisierbare Kursgewinne entstehen lassen. Außerdem: Das internationale Schuldenproblem büßt an Schärfe ein. In der Beurteilung von Länderrisiken und den daraus zu ziehenden Konsequenzen spielt das eine Rolle.

Deshalb werden sowohl von der Commerzbank als auch von der Dresdner Bank für 1984 höhere Dividenden als zuletzt sechs Mark erwartet. Möglicherweise als Vorbereitung für Kapitalerhöhungen. Dazu bedarf es bei beiden Banken steigender Börsenkurse. Denn nur sie erlauben hohe Abgabepreise für die jungen Aktien. An 250 Mark, wie sie die Deutsche Bank von ihren Aktionären in diesem Frühjahr fordern konnte, ist bei der Commerzbank und der Dresdner Bank ohnehin nicht zu denken. Der Wettbewerbsvorsprung des Spitzeninstituts wird sich auf diese Weise zwangsläufig vergrößern. Die Commerzbank konnte zuletzt ihr Kapital zum Ausgabepreis von 140 Mark erhöhen, die Dresdner Bank 1981 zu 125 Mark. Dividendenausfälle und -senkungen machten danach Kapitalerhöhungen praktisch unmöglich. K. W.