Das zur Zeit an den deutschen Aktienmärkten schleppende Geschäft ist nicht ungewöhnlich. Nur selten war der November ein guter Börsenmonat. Sowohl bei den Banken als auch bei den großen Versicherungsgesellschaften ist mit den Jahresabschlußarbeiten begonnen worden. Größere Bestandsveränderungen sind bis zum 31. Dezember meist unerwünscht.

Für zusätzliche Zurückhaltung sorgen die Verhältnisse in den USA. Die nach dem Wahlsieg von Präsident Reagan vielfach erwartete Hausse an der Wall Street ist ausgeblieben. Im Gegenteil – das höher als ursprunglich geschätzt ausgefallene Defizit im Staatshaushalt der USA hat zu Aktienverkäufen geführt, weil zur Zeit niemand weiß, wie die Regierung in Washington das Haushaltsproblem lösen wird. Die amerikanische Notenbank scheint ihre Zügel angesichts des nachlassenden wirtschaftlichen Wachstums zwar etwas gelockert zu haben; die Auswirkungen auf den langfristigen Zins in den USA blieben bisher jedoch bescheiden.

Auf Impulse, die aus dem Bereich der Unternehmen kommen, reagieren die deutschen Anleger enttäuschend wenig. Die Zwischenberichte von Hoechst und BASF hatten auf die Kurse der Großchemie-Aktien keine Auswirkungen, obwohl die in diesem Jahr eingetretenen Gewinnsteigerungen mehr als imposant sind. Aber sie waren in dieser Größenordnung erwartet worden und bildeten deshalb keine Überraschung. Hinzu kommt, daß für 1985 von den Analysten der Banken bereits wieder Abstriche am "Ertrag je Aktie" gemacht werden.

Bei Mannesmann kam es sogar nach Veröffentlichung der bisher in diesem Jahr erzielten Ergebnisse zu einem leichten Kursrückgang. Bis auf den Röhrensektor sieht bei Mannesmann zwar alles sehr erfreulich aus, doch läßt der Tenor des Vorstandsberichts nicht auf eine Anhebung der auf vier Mark gesenkten Dividende schließen. Und das hat offensichtlich enttäuscht.

In der gegenwärtigen Situation sind die Börsianer froh, daß offenbar der größte Teil der Ausländer vorerst an deutschen Aktien festzuhalten gedenkt. Größere Ausgaben sind von dieser Seite her jedenfalls noch nicht erkennbar geworden. Aus Gesprächen mit der ausländischen Kundschaft wollen die Vertreter der deutschen Kreditinstitute jedoch wachsende Nervosität wegen der innenpolitischen Entwicklung in der Bundesrepublik heraushören. Es wird befürchtet, daß die immer noch guten wirtschaftlichen Fakten in der Zukunftsbeurteilung der deutschen Aktien schon bald hinter politischen Erwägungen zurücktreten werden. Wenn sich trotz solcher Bedenken die Aktienkurse einigermaßen behaupten, dürften dazu die Wiederanlagekäufe einiger Aktienfonds beigetragen haben. K. W.