Mancher Autofahrer sieht den Wald vor lauter Schildern nicht, und bei der Fahrt ins Grüne rast er an Sehenswürdigkeiten vorbei, weil deutliche Hinweise fehlen. Abhilfe verspricht da der ADAC, der jetzt in Hessen ein Pilotprojekt für einheitliche touristische Wegweisung präsentierte.

Die Hälfte aller Freizeitfahrten in die nähere Umgebung wird bei uns mit dem eigenen Wagen unternommen. Aber anders als in Frankreich, Italien und der Schweiz, wo Reisende schon länger mit einem einheitlichen Informationssystem auf besondere Sehenswürdigkeiten links und rechts der Straße aufmerksam gemacht werden, herrscht hierzulande ein Schilderwald mit verwirrend vielen verschiedenen Wegweisern in allen Farben, Formen und Größen.

Im Frühling vergangenen Jahres hat der Münchner Automobilclub mit der Erprobung einheitlicher Hinweistafeln für den Naherholungs- und Freizeitverkehr in Südhessen begonnen: braune Schilder mit weißem Richtungspfeil, weißer Beschriftung und einem dicken weißen Punkt dahinter. Solche Wegmarkierung beginnt an der nächstgelegenen Hauptverkehrsstraße und führt mit möglichst wenigen Hinweistafeln zum Ziel.

Zusammen mit den örtlichen Behörden und Fremdenverkehrsinstitutionen beschilderte der ADAC in Hessen bisher 35 Ziele, die nach strengen Maßstäben wie touristische Attraktivität, befestigte Zufahrtsstraßen, genügend Parkplatz, gefahrloser Fußweg zum Ziel usw. ausgesucht wurden. Diese 35 kulturellen, historischen, oder auch Natur-Sehenswürdigkeiten im Naherholungsgebiet für die Ballungsräume Rhein/Main und Ludwigshafen/Mannheim sind jetzt in einer ersten übersichtlichen "Freizeitkarte Odenwald/Bergstraße" zusammenfassend beschrieben. Weitere solcher Karten sind für andere Regionen geplant.

Wunsch des ADAC ist es, diese neuen braunen Wegweiser mit weißer Schrift in allen Bundesländern zu etablieren, ebenso die großformatigen Hinweistafeln an den Autobahnen, wie sie zum Beispiel für die Lüneburger Heide oder den Limburger Dom schon bestehen. Das setzte allerdings eine Änderung der Straßenverkehrsordnung voraus. Doch nachdem sich der Modellversuch in Hessen anderthalb Jahre lang so gut bewährt hat, daß alle beteiligten offiziellen Stellen und Kostenträger begeistert mitziehen, hofft der Münchner Club noch in diesem Jahr auf grünes Licht aus Bonn.

An den Kosten sollte das Projekt einer bundeseinheitlichen touristischen Wegweisung nicht scheitern. Für die 35 südhessischen Sehenswürdigkeiten hat der ADAC ganze 50 000 Mark ausgegeben. Jedes Schild samt Pfosten kostet zwischen 300 und 400 Mark. Und die müßten, wie bisher auch, je nach Zuständigkeit von Bund, Land oder Gemeinde getragen werden.

Barbara Lehnig