Ein gewaltiges Buch: Über sieben Pfund schwer, sieben Zentimeter dick, mehr als tausend Seiten lang und Bilder über Bilder. Man kann es weder im Bett lesen noch auf den Knien halten, man braucht einen Tisch, auf dem man es wälzen kann. Doch dann, sehr schnell, ist man diesem Wälzer verfallen, dieser unglaublich reich und vielfältig illustrierten Stadt-Geschichte. "Wir müssen uns vorstellen .. sagt der Verfasser, ein freundlicher Lehrer, dem es darauf ankommt, möglichst jedermann, sofern er nur Interesse hat, mit dem Thema bekanntzumachen: ihm die Geschichte erzählend vor Augen zu führen. Die Methode ist denkbar einfach: Jedes der fünfzehn Kapitel von der Vorgeschichte bis in die mittelbare Gegenwart wird mit einem leicht faßlichen Aufsatz eingeleitet und dann mit konzentriert kommentierten Abbildungen von Gebäuden, Stadtsilhouetten und sozialen Szenen, mit Grundrissen, Zeichnungen, Bildern, Modellphotos, Durchlüftungs- und anderen Skizzen, mit schematischen Hilfen und Stadtplänen, An- und Draufsichten fortgesetzt. Stadthistoriker haben dies und das an diesem Buch ausgesetzt. Sie bemängeln nicht, daß Benevolo sich das Recht genommen hat, das Material nach eigenem Gutdünken auszuwählen und auszubreiten, denn eben dies gibt seinem riesigen Werk ja so viel Persönlichkeit; sondern, wie anders, daß manches zu wenig, anderes überbetont sei. Der Druck ist nicht gerade brillant, man vermißt auch andere, "richtigere" Bilder. Aber das sind, gemessen an der grandiosen Unternehmung, aufgeklärten Bürgern dabei zu helfen, "die Umwelt, in der sie leben, systematisch und historisch verstehen" zu lernen, läßliche Sünden: Benevolos Stadt-Geschichte ist ein ehrgeiziger, kurzweiliger, partienweise geradezu spannender Schmöker – ein außergewöhnliches Buch. (Aus dem Italienischen von Jürgen Humburg; Campus Verlag, Frankfurt, 1983; 2. Auflage 1984; 1070 S., 1649 Abb., 248 DM)

Manfred Sack