Welkt aber die "Blume am Arbeitsplatz", wird die Butterfly für Japans Männerwelt sehr schnell abgeschoben. Das herkömmliche japanische Konzept sieht vor, "daß die Frau ins Haus gehört", meint Ginko Sato, eine der wenigen Frauen, die als Abteilungsleiterin für weibliche Arbeitskräfte im Tokioter Arbeitsministerium Karriere gemacht hat. Mit 25 Jahren wird es in Japan für ein Mädchen noch immer höchste Zeit, unter die Haube zu kommen. Die Firma zeigt sich bei der Vermittlung von Ehekandidaten sehr viel kulanter als bei der Weiterbeschäftigung: Wer sich nicht in die Hausfrauenrolle komplimentieren läßt, bleibt an seine untergeordnete Stelle gefesselt, während männliche Kollegen die Karriereleiter erklimmen. "Japans Arbeitswelt scheint nur junge Frauen beim Teeservieren und ganz alte Frauen beim Saubermachen zu beschäftigen", berichtete die amerikanische Nachrichtenagentur AP sarkastisch. Eine Statistik scheint das zu wiederlegen. In seinem Ende Oktober veröffentlichten Weißbuch 1984 über weibliche Beschäftigte rechnet das Tokioter Arbeitsministerium voller Stolz vor, daß 14,5 Millionen Arbeitnehmer, das sind 35,3 Prozent aller Beschäftigten, leiblichen Geschlechts sind. Nur noch jede zweite Frau über 15 Jahre sei in Japan nicht in den Arbeitsprozeß integriert.

Doch diese Zahlen sind irreführend. Denn sie zeigen weder Integration noch gar Chancengleichheit der Frau in Nippons Arbeitswelt, sondern nur pure Verschwendung weiblichen Talents und schiere Ausbeutung weiblicher Arbeitskraft. Auf dem Land dürfen im Straßenbau selbst betagte Großmütter bei Schwerstarbeit zupacken; Nippons Nährstand würde ohne selbständige Bäuerinnen kollabieren, weil deren Männer nur zur Erntezeit aus der Stadt heimkehren.

Die Frau, die in Wirtschaft, Verwaltung und Politik Karriere macht, ist in Japans extrem männerorientierter Welt dagegen eine große Rarität – bestaunt und beargwöhnt. Gegen Ambitionen weiblicher Intelligenz gibt es in der Industrie bereits früh Barrieren. Nur 450 von über 1700 börsennotierten japanischen Konzernen – praktisch alle Unternehmen von Rang – laden Jungakademikerinnen nach vier Jahren Studium überhaupt zu Einstellungsprüfungen ein. Der Wettbewerb der hochqualifizierten jungen Frauen um diese wenigen Stellen ist mörderisch. Erheblich bessere Examina als männliche Konkurrenten gelten als selbstverständlich, Attraktivität nicht nur bei Großbuchhändler Kinokuniya als Einstellungsvoraussetzung.

Kein Wunder, daß sich jährlich Tausende von stellensuchenden College- und Universitätsabsolventinnen vor den Interviews mit Personalchefs erst einmal zum Schönheitschirurgen begeben. Auch dann bleibt das Resultat niederschmetternd: Die 450 frauenfreundlicheren Unternehmen stellten 1984 von über 80 000 Bewerberinnen weniger als jede zehnte ein. Seit über zwanzig Jahren bleiben rund ein Drittel aller Jungakademikerinnen nach vier Jahren Hochschule lebenslang arbeitslos.

Selbst für die privilegierte Minderheit beginnt nach der Einstellung ein täglicher Kampf gegen Vorurteile, gegen offene und versteckte Diskriminierungen der paternalistisch geführten Organisationen. "Ich habe die Diskriminierung von Anfang an gespürt, als ich von meiner Arbeit von den männlichen Kollegen laufend zum Teekochen kommandiert wurde", erklärt die im öffentlichen Dienst beschäftigte 29jährige Mitsuko Furui, die in diesem Frühjahr mit siebzehn weiteren Leidensgenossinnen durch einen Hungerstreik vor dem Arbeitsministerium gegen die Zurücksetzung arbeitender Frauen demonstrierte.

Solche Auflehnung – eine seltene Ausnahme – schürt wieder das Mißtrauen gegenüber der Selbständigkeit besser ausgebildeter Frauen. "Offen gesagt, ich finde Universitätsabsolventinnen ziemlich starrsinnig", bekennt unverdrossen Kinokuniya-Manager Furuuchi. Und auch Nippons Arbeitgeberpräsident Bumpei Otsuki scheint aufmüpfige Sufragetten von Anfang an abblocken zu wollen: "Das gegenwärtige System der Führung weiblicher Mitarbeiter basiert auf gesellschaftlichen Grundüberzeugungen und spiegelt die Einstellung der Frauen zur Arbeit wider", doziert der greise Manager. In diesem System ist für die Frau in einer gehobenen oder gar führenden Rolle kein Platz.

Zu wenig Managerinnen