Das größte japanische Unternehmen, das von einer Frau geleitet wird, heißt Akiyama Aiseikan und ist mit einem letztjährigen Umsatz von knapp 60 Millionen Mark ein Zwerg unter Nippons Pharmafirmen. Die Chefin Kujo Akiyama und Japans große Dame der Haute Couture, Hanae Mori, bestätigen als Ausnahme nur die Regel, daß Japan in Sachen Chancengleichheit und Emanzipation nicht fortschrittlicher ist als irgendein anderes asiatisches Entwicklungsland.

Auf nur 5,4 Prozent aller Managerposten in der japanischen Privatwirtschaft sitzen Frauen, in der Bundesrepublik sind immerhin rund 16 Prozent der Manager weiblichen Geschlechts. Diese Zahl jedoch täuscht, denn in Japan sind auch Frauen im Management noch weit entfernt von den Hebeln der Macht. So beschäftigt zwar der Elektronickonzern Fujitsu unter rund 35 000 Mitarbeitern 11 000 Frauen, aber ganze fünf Managerinnen, die auch noch auf den unteren Stufen der Hierarchie stehen. Die Verwaltung, die schlecht auf Lehrerinnen und Krankenschwestern verzichten kann, hält es schon für eine Konzession, ihre Beamtinnen wenigstens nicht beim Gehalt zu diskriminieren. Das Justizministerium beschäftigt zweiundsechzig Spitzenbeamtinnen – ein Rekord unter den Zentralbehörden. Die Top-Frauen der Justiz sind überdies fast ausnahmslos in Frauengefängnissen und im Jugendstrafvollzug tätig.

"In der Politik verteidigen die Männer ihre Territorien, als ginge es um ihr Leben", klagt Mayumi Moriyama von der konservativen Regierungspartei, eine von achtzehn weiblichen Abgeordneten in Tokios machtlosem Oberhaus mit 252 Sitzen. Für die sozialistische Parlamentarierin Mitsu Kaneko ist die Diskriminierung in der Politik eine Folge der Zurücksetzung in der Industrie. "Frauen fehlt es ganz einfach an Erfahrung und Ausbildung, denn die Industrie versperrt ihnen ja die Karriere."

Im alles entscheidenden Unterhaus vertreten gerade acht weibliche Mitglieder von 511 Abgeordneten die Sache der Frau in Japans Politik. Obendrein gehören zehn der sechsundzwanzig Politikerinnen in beiden Häusern des Tokioter Parlaments der Kommunistischen Partei Japans an, "die als einzige der Kraft der Frau vertraut", wie die KPJ-Abgeordnete Ikuku Yamanaka ihrer eigenen Partei nachrühmt. An der Basis, wo es um die Verteilung lokaler Pfründe geht, schrumpft weibliche Teilhabe an der Politik weiter: Unter den 45 976 Volksvertretern in Städten und Gemeinden verlieren sich die 340 Lokalpolitikerinnen geradezu. Am 1. November dieses Jahres wurde erstmals seit 22 Jahren wieder eine Frau mit einem Ministeramt betraut: Shigeru Ishimoto ist seitdem Staatsminister für Umweltschutz. Sie ist zugleich die dritte Ministerin, seit die US-Besatzung den Japanerinnen im Dezember 1945 das aktive und passive Wahlrecht bescherte.

Frauen in der Politik sind auch für Politiker die Ausnahme. "Zunächst einmal wünsche ich, daß Frauen hundert Prozent wundervolle Mütter werden", bekannte Japans Premier Nakasone im März während der Parlamentsdebatte eines Gesetzentwurfes zur Gleichstellung der Frau am Arbeitsplatz und fuhr dann fort: "Dann möchte ich sie als gute Ehefrauen sehen. Und schließlich sollen aus ihnen Damen werden, die einen Beitrag zur Gesellschaft leisten." Nippons Arbeitgeber hätten ihre Wunschliste an die Frau kaum treffender formulieren können.

Kaum Anspruch auf Rente

Da wundert es nicht, daß Frauen in Japan auch schlechter entlohnt werden als ihre männlichen Kollegen. Nach einer Untersuchung der Genfer Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) ist die Disparität in Japan sogar international ohne Beispiel: Frauen verdienten nur 43,1 Prozent der Vergleichslöhne ihrer männlichen Kollegen. Das monatliche Einkommen stellt überdies im Land der lebenslangen Anstellung und der Besoldung nach Alter nur einen vergleichsweise untergeordneten Teil der sozialen Sicherung dar. Bonuszahlungen und erhebliche Ruhestandsabfindungen ergänzen die laufenden Einkommen der praktisch unkündbaren Mitarbeiter, 67 Prozent aller arbeitenden Japanerinnen, Beamtinnen und öffentliche Bedienstete eingeschlossen, aber sind arbeitsrechtlich als "Teilzeitkräfte" eingestuft und haben damit keinen Anspruch auf vollen Bonus oder gar auf Ruhestandsgratifikationen.