Die "weibliche Teilzeitkraft" arbeitet oft kaum weniger als ein Mann. Jede zweite schuftet mehr als 35 Wochenstunden, jede vierte gar die volle Tarifarbeitszeit, und dieses bei einem Lohn von nur 43,1 Prozent des Durchschnittseinkommens männlicher Kollegen. "Japans Weltmarktstrategie in den achtziger Jahren sind vollarbeitende, halbbezahlte weibliche Teilzeitkräfte", zürnt die Arbeitsmarktexpertin Emiko Shibayama.

Tokios Arbeitsministerium will dieser skandalösen Ausbeutung von Millionen Japanerinnen demnächst auf Anregung der Gewerkschaft ein Ende machen. Doch der Fortschritt ist klein: Teilzeitkräfte sollen nun nicht länger als reguläre Mitarbeiter arbeiten, und wenn sie an mehr als an fünf Wochentagen zur Arbeit gehen müssen, einen Anspruch auf ganze sechs bezahlte Tage Jahresurlaub erhalten. Diese Neuregelung – bisher nur geplant – ist Teil einer großangelegten Novellierung des japanischen Arbeitsrechtes, deren Beratung sich in Tokio schon über sechs Jahre hinzieht.

Mit der versprochenen Gleichberechtigung der japanischen Frau im Wirtschaftsleben ist es inzwischen nicht mehr weit her. "Beim Stichwort Gleichberechtigung wittern die Arbeitgeber eine einmalige Chance, im Namen der Chancengleichheit dem speziellen Arbeitsschutz für Frauen zuleibe zu rücken", sorgt sich Kiyomi Ichikawa, Sprecherin für Frauenfragen beim zweitgrößten, eher gemäßigten Gewerkschaftsdachverband Domei.

Die Sorge um eine Schlechterstellung weiblicher Arbeitnehmer durch das Reformgesetz zur angeblichen Verbesserung ihrer Lage ist berechtigt. So sollen die Begrenzungen der täglichen Überstunden für Frauen von gegenwärtig zwei Arbeitsstunden ebenso entfallen wie das bisherige Verbot von Nachtarbeit. Lediglich der Mutterschutz von sechs Wochen vor und nach der Geburt steht nicht zur Debatte. Die Gleichstellung der Frau bei Einstellung, Karriere und Ruhestand jedoch ebenfalls nicht, denn dies soll den Arbeitgebern lediglich empfohlen, nicht aber – notfalls bei Strafandrohung – abverlangt werden. "Das Ganze ist ein übler Trick", urteilt die Tokioter Rechtsanwältin Michiko Nakajima, "als ob es um einen Widerspruch zwischen Gleichberechtigung und Schutz der Frauen ginge."

Die meisten Japanerinnen scheinen sich ohne Aufmucken in ihr Los zu fügen, denn emanzipatorische Vorbilder sind im eigenen Land rar. Japans Medien – fest in Männerhand – entwerfen zudem von der Frauenbewegung in den USA und Europa fast ausschließlich wenig vorteilhafte Bilder. Die wenigen Karrierefrauen im Land, die es geschafft haben, sind isoliert und kaum als Modell für den Durchschnitt geeignet. Im letzten Jahr ergab eine Umfrage unter den Studentinnen von 27 Universitäten in Tokio, daß knapp 80 Prozent mit der Frauenbefreiung nichts im Sinn haben. "Das größte Problem der japanischen Frau ist ihre Apathie gegenüber allen Ursachen ihrer gesellschaftlichen Benachteiligung", vermutet die Asahi.