Ein von der bösen Wirklichkeit enttäuschter Mann beschließt, die Realität einfach nicht mehr anzuerkennen. Dem spanischen Dichter Cervantes (1547-1616) ging es sein Leben lang dreckig: Söldnerdienst auf einem Kriegsschiff, Sklavenjahre in Algier, Kriegsverletzungen, dreimal Gefängnis in der Heimat – und, als er endlich einmal Erfolg hat, mit dem ersten Teil seines Romans "Don Quijote" (1605), schreibt ein Neider die Fortsetzung, noch ehe der Autor selber den zweiten Teil beendet hat. Was aber bleibt die Erkenntnis dieses Mannes und seines weltberühmten Helden, des "Ritters von der traurigen Gestalt"? "Daß alle Heiterkeit dieser Welt von ihrer Traurigkeit herrührt, wie die Welt selbst aus der Finsternis geboren wurde." Man versteht, was den 1921 als Sohn eines Bildhauers in Hildesheim geborenen Eberhard Schlotter an Cervantes und Quijote fasziniert, Leugnung der Realität: "Welch ein Konzept! Wörtlich genommen ein Wahnsinn, geistig genommen ein Programm." Der seit 1971 in Altea/Spanien lebende Maler und Radierer hat sich in dieses Menschheitsbuch versenkt wie kein anderer in diesem Jahrhundert: Von 1977 bis 1981 sind für eine bibliophile spanische Ausgabe 160 farbige Aquatinta-Blätter und 186 Schwarzweiß-Vignetten entstanden. Die Idee, "mit zwei farbigen Platten übereinander gedruckt mehrere verschiedene Ebenen zur gleichen Zeit zu erreichen", erinnert Hans Wollschläger in einem klugen Kommentar an "Freuds Instanzenlehre, an das Mitreden der seelischen Unter- und Oberwelt in den Sinneswahrnehmungen des Ichs." Schlotters schöne, mal ausmalende, mal andeutende Bilder wollen gelesen werden so aufmerksam nachdenklich wie das Buch, für das sie geschaffen wurden. Die deutsche Edition, in Ludwig Tiecks Übersetzung, die den altertümlichen Ton der fast vierhundert Jahre alten Erzählung bewahrt, ist erschienen in vier großen Bänden (35×33 cm) mit je 250 bis 300 Seiten. Der vierfarbige Offsetdruck, in einer einmaligen Auflage von 2000 Exemplaren, kann zum Preis von 1800 Mark bestellt werden bei der Süddeutschen Verlagsanstalt, Schwieberdinger Straße 19, 7140 Ludwigsburg. R. M.