Die Produktionsanlagen des Mopedherstellers Zündapp werden nach China gebracht

Die Fabrikhallen sind verlassen. Nur an einigen Stellen werkeln noch ein paar Arbeiter, basteln die letzten Mofas aus restlichen Materialien zusammen, produzieren Ersatzteile, um den Reparaturdienst für die nächsten Jahre sicherstellen zu können. Zündapp, die einst angesehene Münchner Produzentin von motorisierten Zweirädern, ist im September in Konkurs gegangen, nachdem die Besitzerfamilie Neumeyer aufgegeben hat. Spätestens im April nächsten Jahres ist hier alles zu Ende – 67 Jahre nach der Gründung.

Doch der Maschinenpark wird nicht verkommen. Fünfzehn Chinesen aus der Hafenstadt Tianjin (Tientsin) sollen die Anlagen demontieren, damit sie in ihrer Heimat wieder aufgebaut werden können, um zur Industrialisierung und Motorisierung des Landes beizutragen.

Für sechzehn Millionen Mark hat der clevere Konkursverwalter, Eckart Müller-Heydenreich, das gesamte Betriebsinventar an die Fahrrad-Industriegesellschaft des Stadtstaates Tianjin verkauft: Maschinen und Geräte, von der Stanzerei, der Gießerei bis zur Galvanik und zur Lackiererei, darunter ältere, aber voll funktionstüchtige Anlagen ebenso wie moderne Werkzeugmaschinen.

"Was sie sich in den Kopf gesetzt haben, das führen sie auch aus", lobt Hans Kuhlmann die Chinesen. Kuhlmann ist Manager der Tianjin Handelsgesellschaft und Unternehmensberatung – Deutsch-chinesische Gesellschaft für wirtschaftliche und touristische Zusammenarbeit GmbH in Düsseldorf, die bei dem ungewöhnlichen Geschäft mitwirkt. "Immer haben die Chinesen noch etwas im Hinterstübchen, und notfalls zaubern sie plötzlich etwas."

Wenn der geplante Betriebstransfer der Zündapp-Maschinen nach Tianjin glücken soll, kann etwas Zauberei nicht schaden. Und wenn alles klappt, dann wird die Aktion als "technische Glanzleistung" (Kuhlmann) gefeiert.

"Verdammt viel Glück" bei dem Handel hatte schon Rechtsanwalt Müller-Heydenreich, wie er unumwunden zugibt. Augenzwinkernd spricht er von einem "hervorragenden Geschäft für beide Seiten". Immerhin standen die Werksanlagen, die jetzt nach China reisen, nicht einmal mehr mit der Hälfte des Verkaufserlöses zu Buch.