Gäbe es im Fußball eine Rangordnung über die dümmsten Sprüche der Spieler, Michael Rummenigge vom FC Bayern München führte diese Tabelle an. Denn da antwortete er doch unlängst bei einer Telephon-Aktion auf die Frage eines Schlossers, ob die Millionen-Einnahmen der Fußballstars gemessen an der Arbeitslosen-Unterstützung nicht ziemlich unangemessen seien, mit der Arroganz eines Dümmlings. Eine derartige Frage, meinte er, ließe doch wohl nur auf Neid schließen; was könne er schließlich dafür, wenn es so viele Arbeitslose gäbe; er gehöre zu einer Elite von 500 Fußball-Spezialisten, die sich mit den 50 000 der Maschinenschlosser nicht vergleichen ließe.

Auch im Tennis gibt es Lümmel. Ein Erfolgreicher wie John McEnroe benimmt sich seit Jahren rüpelhaft, beschimpft die Schiedsrichter, zeigt dem Publikum seine Verachtung. Aber – er wird nun einmal gebraucht auf den internationalen Tennisplätzen, weil er besser spielt als die anderen. Er garantiert den Veranstaltern das "Geschäft". Und aus der Sicht des Geldgebers ist es sogar positiv, daß McEnroe "schwierig" ist. Die Unarten werden nicht nur hingenommen, sie sind auch noch werbewirksam.

Vor den Olympischen Spielen von Los Angeles hatte der deutsche Weltrekordmann im Zehnkampf, Jürgen Hingsen, seinem englischen Rivalen Daley Thompson jenes "arrogante Grinsen" angekreidet, das ihn bislang immer daran gehindert hätte, im direkten Vergleich mit dem farbigen Engländer "unverkrampft" anzutreten. Und wieder war der überhebliche Daley Thompson der Bessere. Die Goldmedaille als Lohn für ein fast aufdringlich wirkendes Selbstbewußtsein. Nun wurde nicht der sympathische Hingsen, sondern der unsympathische Thompson bejubelt.

In der Olympia-Mannschaft der USA war der vierfache Goldmedaillen-Gewinner von Los Angeles, Carl Lewis, ebenfalls nicht sonderlich beliebt, weil auch er als "überheblich" galt. Aber er wurde gebraucht – und schließlich als Superstar der Olympischen Spiele gefeiert.

Im deutschen Fußball tanzte ein Star wie Bernd Schuster dem damaligen Bundestrainer Jupp Derwall jahrelang auf der Nase herum. Er bescheinigte seinem Chef sogar "Unfähigkeit" nach der Weltmeisterschaft in Spanien. Aber Derwall bettelte dem Starspieler auch danach noch hinterher.

Sie können machen, was sie wollen: Stars lassen sich nicht so einfach von der Bühne vertreiben. Wer im Sport etwas Besonderes leistet, kann sich als Sieger im Umgang mit der Öffentlichkeit sehr viel mehr leisten als der Zweitplazierte. Und weil nun einmal das deutsche Fernsehen am häufigsten über Fußball berichtet, ist in dieser Sportart die Unfallquote aus Dummheit und Arroganz besonders hoch. Denn hier werden junge Menschen von der Publicity hochgepäppelt, die die Entwicklung zur "Persönlichkeit" eigentlich noch vor sich haben. Für den "kleinen Rummenigge, gerade 20 Jahre alt, kommt der Ruhm viel zu früh, als daß er sich gegenüber den Medien auch noch als weiser Diplomat auszeichnen könnte.

Karl Adam, der berühmte Ratzeburger Ruder-Trainer, hat einmal gesagt, daß im Sport eine Leistung, die nicht publiziert ist, im Grunde gar nicht existiert. Denn, so Adam, der Schein bestimme das Bewußtsein; "und immer häufiger wird in unserer Publizitäts-Gesellschaft die Leistung durch den Schein ersetzt."