Über das Pro und Contra von Tierversuchen wird immer noch heftig gestritten.

Hearings hat es gegeben, Tagungen und Konsultationen; Denkschriften wurden verfaßt, Demonstrationen veranstaltet und in den Medien pro und contra debattiert. Schließlich wähnte sich das Landwirtschaftsministerium rundum fachkundig; es legte den Entwurf für die Novelle des Tierschutzgesetzes vor – und setzte sich damit zwischen sämtliche Stühle.

Zankapfel sind die Tierversuche. Radikale Tierschützer wollen sie ganz abgeschafft wissen. Andere meinen, sie müßten auf das Allernotwendigste beschränkt werden. Das meinten die Bonner Ministerialen auch. Darum wollen sie Experimente an Tieren strengen Kontrollen unterwerfen und nur noch unter medizinischer Indikation zulassen. Stolz verkündete Ignaz Kiechle, die Anzahl der Tierexperimente würde durch das vorgeschlagene Gesetz halbiert.

Max-Planck-Gesellschaft, Forschungsgemeinschaft, Arzneimittelhersteller und vor allem die Experimentatoren empfinden die vorgeschlagenen Bestimmungen als bürokratische Hürden, die nur Zeitverlust und enorme Kosten verursachen, aber am Ende doch überwunden würden. Verringern ließe sich die Zahl der Tierversuche damit kaum. Das sehen auch die Tierschützer so, wenngleich aus einem anderen Blickwinkel. Einigkeit also herrscht in der Ablehnung des Vorschlags.

Immerhin würde das Gesetz verbieten, Kosmetika an Versuchstieren zu testen und damit den kantigsten Stein des Anstoßes aus dem Weg räumen. Freilich ist der Anteil dieser Tierexperimente an der Gesamtheit immer nur verschwindend gering gewesen.

Anfang voriger Woche schien es so, als könnten sich beide Seiten – zähneknirschend – mit der Tierschutznovelle einrichten, sollte sie der Bundestag zum Gesetz erheben. Doch plötzlich wird wieder zum Angriff geblasen.

Auf dem Feldherrnhügel stehen zwei Nobelpreisträger, Manfred Eigen und Adolf Butenandt. Rasch haben sie ein Elitregiment aus tausend Professoren aus dem Boden gestampft, die "Gesellschaft für die Förderung der biomedizinischen Forschung". Auf ihre Fahnen hat sie die Parole geschrieben: "Die deutsche Wissenschaft darf nicht geschwächt werden."