Das deutsche Gastgewerbe konnte 1983 seine Umsätze um 1,6 Prozent steigern und erwartet für dieses Jahr ein weiteres Plus.

Die bundesrepublikanischen Hoteliers und Gastronomen können mit ihren derzeitigen Geschäften insgesamt wohl zufrieden sein, auch wenn ihre Funktionäre im "Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA)" eher tiefstapeln, auch wenn der positive Trend tatsächlich nicht in allen Bereichen der Branche zum Tragen gekommen ist. Eines der Sorgenkinder des Gastgewerbes bleibt beispielsweise die Stadthotellerie. In unseren Messestädten wurden, begünstigt durch das Bauherrenmodell, zu viele Hotels gebaut, die jetzt in einem harten Preis- und Verdrängungswettbewerb um Gäste ringen. Daß davon die Verbraucher nicht nur profitieren, erklärt DEHOGA-Präsident Leo Imhoff so: "Zuerst trifft es meistens die kleineren und einfacheren Hotels. Wir sollten uns davor hüten, daß es demnächst in den Großstädten nur noch Luxusherbergen gibt."

Über schlechte Geschäfte in diesem naßkalten Sommer klagen verständlicherweise auch die Biergärten, Eisdielen und Ausflugslokale. Gerade junge Existenzgründer, so der DEHOGA-Fachmann Fritjof Wahl, glaubten wohl an ewig schönes Wetter und haben sich auf diese Weise kräftig verkalkuliert. Die hohe Pleitequote in diesem Bereich bereitet den Verbandsoberen seit langem große Probleme. Arbeitslose aller Berufsgruppen, darunter auffällig viele Lehrer ohne Job, drängen in ihrer Not in die Kneipenselbständigkeit. Rund ein Viertel davon muß diese Träume nach kurzer Zeit wieder begraben.

Gutes weiß der DEHOGA dagegen aus dem Urlaubsgeschäft zu berichten. Die einheimischen Stammgäste sind ihren Häusern treu geblieben. Gleichzeitig steigt die Anzahl der Ausländerübernacntungen ständig, wobei insbesondere die Amerikaner ihre harten Dollars vermehrt in deutsche Hotelkassen bringen. Insgesamt erwirtschaftete die deutsche Urlaubshotellerie in den ersten sieben Monaten dieses Jahres ein Umsatzplus von 5,2 Prozent. Die Gastronomen schafften in den Urlaubsgebieten ebenfalls 0,7 Prozent mehr Umsatz, obwohl nach DEHOGA-Meinung der Spartrend zur preiswerten Selbstverpflegung weiterhin ungebrochen ist.

Eindrucksvolle Zahlen legt der DEHOGA zur Personalsituation vor. 1983 fanden in dieser Branche 800 000 Menschen Lohn und Arbeit. Dabei bildet das Gastgewerbe derzeit rund 50 000 Nachwuchskräfte aus, seit 1975 eine Steigerung der Ausbildungsplätze um 150 Prozent. Alles in allem schaut der Verband optimistisch in die gastgewerbliche Zukunft. Imhoff: "Im Hotelbereich ist das gediegene Wohnen gefragt. In den Restaurants muß es mittags immer schneller gehen und abends immer schöner werden."

In Werbung und Reservierung bereitet sich die Hotellerie auf das elektronische Zeitalter vor, hat den Telehotelführer im Bildschirmtextsystem verbessert und arbeitet diesbezüglich nun auch mit den Landesverkehrsverbänden zusammen.

Willi Bremkes