Es ist erstaunlich, welches Mißverhältnis doch zwischen der Qualität von Büchern und ihrem Bekanntheits- und Verbreitungsgrad bestehen kann. Ein Beispiel dafür sind die bereits 1955 von Wilhelm Cornides, Arnold Bergstraesser und Hans Rothfels begründeten Jahrbücher "Die Internationale Politik" des Forschungsinstituts der renommierten Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Bonn. Obwohl diese in unregelmäßigen Abständen erscheinenden Bände weit mehr sind als bloße Chroniken, obwohl sie in Einzelbeiträgen sachverständiger Autoren mit ausgewogenem Urteil umfassend und in unvergleichlicher Zuverlässigkeit über weltpolitische Entwicklungen und Zusammenhänge im jeweiligen Berichtszeitraum informieren, wird ihnen noch immer nicht die Aufmerksamkeit zuteil, die sie verdienen. Inzwischen liegen 16 Bände dieser Reihe vor. Soeben erschien:

"Die Internationale Politik 1981-1982 (Jahrbücher des Forschungsinstituts der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik"); hrsg. von Wolfgang Wagner, Marion Gräfin Dönhoff, Gerhard Fels, Karl Kaiser und Paul Noack; R. Oldenbourg Verlag, München 1984; 394 S., 108,– DM.

Nachdem das Jahrbuch 1979-1980 vor allem über das Ende der Entspannung und die Ursachen und Auswirkungen der tiefgreifenden Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und der Sowjetunion berichtete, wird im neuen Jahrbuch zunächst die innere Entwicklung beider Weltmächte in der "Pause des Dialogs" behandelt. Es folgen Kapitel über die Lage Europas im Spannungsfeld der Supermächte, über die Konflikte im Nahen und Mittleren Osten sowie über Krisen, Machtkämpfe und Unruheherde in Lateinamerika und Afrika. Analysen weltwirtschaftlicher Probleme und ihrer Lösungsversuche sowie eine Beschreibung der Wandlungsprozesse im östlichen Asien runden den Band ab.

Das breite Spektrum der Themen und die hohe Qualität der Beiträge machen dieses Jahrbuch – wie die gesamte Reihe – zu einem hervorragend geeigneten Kompaß, um sich auf dem unübersichtlichen Gelände der internationalen Politik zu orientieren. Der in der Vergangenheit oft beklagte große Abstand zwischen Berichtszeitraum und Erscheinungsdatum ist jetzt beseitigt. Verlag und Herausgebern sowie der Redakteurin Angelika Volle ist es zu danken, daß sie nunmehr eine vernünftige Balance zwischen dem Verlangen nach Aktualität und dem Erfordernis angemessener Distanz, die erst eine gesicherte Kenntnis und Urteilsbildung ermöglicht, gefunden haben.

Wenn es jedoch auch gelingen soll, eine größere Leserschaft als bisher zu erreichen, ist neben der gewiß repräsentativen, aber allzu teuren Leinen-Ausgabe, die wohl nur Bibliotheken und andere Institutionen und einen begrenzten Kreis von Experten zum Kauf veranlassen kann, eine preiswerte Paperback-Ausgabe vonnöten. Nur dann würde das Jahrbuch tatsächlich zu jenem unentbehrlichen Arbeitsmittel für viele, als das es ursprünglich einmal konzipiert wurde – als "ein zum Studium und als Nachschlagewerk gleichermaßen geeignetes Buch", das "der Wissenschaft der internationalen Politik, der Arbeit des Politikers, Beamten und Publizisten und der politischen Bildung im allgemeinen dienlich" sein sollte, wie die Herausgeber beim Erscheinen des ersten Bandes der Jahrbücher 1958 ankündigten. Es wäre mehr als wünschenswert, wenn man dieses Ziel künftig nicht nur durch Solidität und hohen wissenschaftlichen Standard, sondern auch durch eine Vergrößerung der Auflage anstreben würde, damit nicht weiterhin ein beträchtliches Potential zur Erweiterung des Kenntnisstandes über Vorgänge der internationalen Politik verschenkt wird.

Manfred Görtemaker