München

Das Haus am Ende des Hofgartens wird wuchtig: Links und rechts von der notdürftig restaurierten Kuppel des Armeemuseums soll es sich ausbreiten – tief unter der Erde atombombensichere Bunker, hoch über dem Boden Bayerns Regierungszentrale, die Staatskanzlei. "Da setzt sich ein Ministerpräsident ein Denkmal, so, wie ein Pharao sich seine Pyramide baute", vermuten die Sozialdemokraten. Doch Franz Josef Strauß wiegelt ab: "Von Pharao keine Spur."

Er will nun endlich ausführen, was schon sein Vorgänger Alfons Goppel erfolglos anpackte: Dem Freistaat will er ein Machtzentrum bauen, um die auf sechs Häuser verteilten gut 400 Mitarbeiter der Regierungszentrale unter einem Dach zu vereinen. Daß dieses Vorhaben (samt dem in einem Haus untergebrachten Haus der bayerischen Geschichte) auf rund 200 Millionen Mark kalkuliert wird, ließ Strauß aber doch etwas erschaudern.

Trotzdem hat ihm der von der CSU beherrschte Landtag letzte Woche die ersten Raten über 25 Millionen Mark bewilligt. Von städtebaulichen Bedenken war nur noch bei der Opposition die Rede, denn mit der Mammut-Staatskanzlei wird Münchens letzter, seit dem Krieg freier Innenstadt-Bauplatz zugepflastert. Die SPD meint auch, das viele Geld wäre besser in einem Programm angelegt, mit dem Langzeit-Arbeitslosen wieder Jobs verschafft werden.

Derartige Mahnungen gingen indes unter in der Halbzeit-Euphorie, die Strauß zwei Jahre vor der nächsten Landtagswahl verbreitete. Wer seine Regierungsbilanz hörte, der durfte sich gut zwei Stunden lang auf einer Insel der Seligen fühlen, ehe er dann doch wieder von der harten Realität, von Waldsterben, Arbeitslosigkeit, Firmenpleiten und Umweltschmutz eingeholt wurde. Strauß, der andere stets kritisiert, war schon immer ein Meister darin, um sich herum nur Positives zu sehen.

Und dieses Mal überwiegend sogar zu Recht. Denn der Freistaat im Süden der Republik hat nun wirklich mit 21,5 Prozent des 36-Milliarden-Mark-Haushalts die höchste Investitionsquote aller Bundesländer. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt in Bayern bei 1860 Mark, in Nordrhein-Westfalen bei 3520 Mark, die Verschuldung der Gemeinden rangiert sogar um 32 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Seit 1960 ist Bayern Spitzenreiter des wirtschaftlichen Wachstums in der Bundesrepublik, die Arbeitslosenquote beträgt im Bund 8,6, in Bayern 6,7 Prozent. Als einziges Land meldet der Freistaat seit 1974 einen Beschäftigungszuwachs, während Nordrhein-Westfalen mit einem Minus von 7,3 Prozent aufwartet. In Bayern wachsen Mikro-Elektronik und Gen-Forschung, Siemens und BMW.

Strauß kostet seinen Triumph, besser als andere zu regieren, weidlich aus. Er wettert gegen jene "schrecklichen Vereinfacher, die sich als Propheten des Unheils und als Prediger von Weltkatastrophen oder als Verkünder unangreifbarer Heilslehren aufspielen". Er registriert "mit Sorge, daß solche Rattenfänger in unserem Volk wiederum Gehör finden". Damit meint er die Grünen und jene Sozialdemokraten, die mit ihnen zusammenarbeiten. Für ihn sind die sowieso nur "ein Heer selbsternannter Fachleute", die über Dioxin, Stickoxid und Formaldehyd nur mit dem Ergebnis sprechen, "daß die Bevölkerung in einer Art und Weise in Angst und Schrecken versetzt wird, wie dies früher nur Pest und Cholera ... vermocht hätten".