Von 1986 an will der Bund den sozialen Mietwohnungsbau nicht mehr fördern – eine heftig umstrittene Entscheidung, die nüchterne Analyse verdient. Der Wohnungsmarkt in der Bundesrepublik ist im großen und ganzen ausgeglichen. Knapp sind billige Wohnungen nur noch in einigen Ballungsgebieten, in anderen, zum Beispiel im Ruhrgebiet, stehen Sozialwohnungen leer. Der soziale Mietwohnungsbau ist nach den Bauherrenmodellen die teuerste Methode der Wohnungsbauförderung.

Warum sollte angesichts dieser Ausgangslage der Bund noch Sozialwohnungen bauen? Das Ziel des Wohnungsbaugesetzes, für eine "ausreichende Wohnungsversorgung breiter Bevölkerungsschichten" zu sorgen, scheint erreicht zu sein. Regionale und lokale Lücken können die Länder schließen. Der Bund sollte statt dessen so schnell wie möglich und nicht erst, wie geplant, 1986 das Wohngeld erhöhen. Damit wird wirklich Bedürftigen geholfen.

Im übrigen könnte die Debatte um den sozialen Mietwohnungsbau von etwas mehr Redlichkeit profitieren. So klagen Gewerkschafter immer wieder über die Umwandlung von preiswerten Sozialin Eigentumswohnungen. Größter Umwandler ist die Neue Heimat, die sich mit den Gewinnen aus dem Verkauf von 50 000 Sozialwohnungen sanieren will. Diesen Ausverkauf billiger Mietwohnungen könnten die Gewerkschaften leicht stoppen – innen gehört die Neue Heimat. chr